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MI | 11.04.2012
Kremser Steinertor (Bild: APA)
Kunstraub
Krems in NS-Kunstraub-Konflikt verwickelt
Die Stadt Krems ist in einen Streit um die Rückgabe von Nazi-Raubkunst verwickelt. Der Enkel des damaligen Besitzers fordert die Rückgabe zweier Gemälde des "Kremser Schmidt" und droht mit Klage in den USA.
Streit zieht sich schon über mehrere Jahre
Die Enkel des damaligen Besitzers Richard Neumann haben Anspruch auf die Bilder angemeldet - der Streit besteht schon seit mehreren Jahren, jetzt überlegen die Erben eine Klage auf Restitution der Bilder in den USA.
Die beiden Bilder des berühmten Barockmalers Martin Johann Schmidt, genannt "Kremser Schmidt", stammen aus der Sammlung des ehemaligen jüdischen Industriellen Richard Neumann und sind 1938 in den Besitz des heutigen Weinstadtmuseums übergegangen. Eines der beiden Gemälde zeigt den Heiligen Florian.

Tom Selldorff, ein Enkel Neumanns in den USA, fordert den Kultursenat der Stadt Krems in einem jüngst eingelangten Schreiben auf, die Bilder auszufolgen.
"Musterbeispiel" für NS-Raubkunst
Ein Musterbeispiel für den NS-Kunstraub nennt der Anwalt der Erben, Alfred Noll, den Fall in Krems. Die Stadt habe 1938 die Bilder vom Kunsthistorischen Museum erhalten, den Kontakt hatte die Sammelstelle der Beschlagnahme jüdischen Kunstbesitzes hergestellt.

Weder Besitzer Richard Neumann noch seine Erben hätten je Geld erhalten, so der Anwalt, der außerdem betont, dass schon in den 1950er Jahren der Rückgabebeirat des Bundes festgestellt habe, dass es sich bei Werken aus der früheren Sammlung Neumann durchwegs um "Entziehungen" der Nazis handle.

Anwalt Alfred Noll fordert die Rückgabe der Bilder per Gemeinderatsbeschluss.
Stadt Krems verweist auf Verzichtserklärung
Geht nicht, entgegnet der Kremser Bürgermeister Franz Hölzl gegenüber Radio Niederösterreich und beruft sich ebenfalls auf die Stellungnahme aus dem Jahr 1952. Damals habe die Familie auf weitere Restitutionen verzichtet.

Die Stadt müsse sich ans Gesetz halten und könne rechtmäßiges Eigentum nicht verschenken, so Hölzl weiter.
Erben erwägen Klage gegen die Stadt
Mittlerweile prüfen die Erben prüfen die Möglichkeit einer Klage in den USA. Aber, so betonen beide Seiten, eine außergerichtliche Einigung sei durchaus auch willkommen. Jetzt sollen neue Experten hinzugezogen werden, um die verfahrene Situation zu klären.
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