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MO | 13.02.2012
Unterirdisches Verlies in Amstetten (Bild: Polizei)
Inzestfall Amstetten
Jahrelanges Martyrium der Tochter
Das jahrelange Martyrium der 42-jährigen Tochter hat mit ihrem elften Lebensjahr begonnen: Seither soll sie der mutmaßliche Täter, ihr eigener Vater, sexuell missbraucht haben. Vor 24 Jahren begann der Inzestfall Amstetten.
28. August 1984: Die Frau wird in den Keller gelockt.
Seit 1984 galt die Frau als abgängig
Am 28. August 1984 setzt der Vater einen teuflischen Plan um: Der Verdächtige lockt seine Tochter in den Keller, betäubt sie und sperrt sie mit Handschellen gefesselt in einen Raum ein. Seither gilt das Mädchen als abgängig.

Etwa einen Monat nach ihrem Verschwinden trifft bei den Eltern ein Brief ein, in dem die 18-Jährige ersucht, nicht nach ihr zu suchen. Was keiner weiß: Für die junge Frau beginnt ein Alptraum, der 24 Jahre dauern wird.
19. Mai 1993: Ein neun Monate altes Baby wird gefunden.
Sieben Kinder kommen zur Welt
Während ihrer Zeit in Gefangenschaft soll der Vater seine Tochter immer wieder missbraucht haben. Aus den Übergriffen gehen insgesamt sieben Kinder hervor, von denen eines stirbt.

Am 19. Mai 1993 wird ein neun Monate altes Mädchen im Mehrparteienhaus der Familie gefunden. Dabei liegt ein Brief, aus dem hervorgeht, dass die Tochter bereits eine Tochter und einen Sohn hat. Diese dürfte sie in den Jahren 1988 bis 1990 geboren haben. Die beiden leben seit ihrer Geburt bei der Mutter im Verlies.
Zwei weitere Kinder werden gefunden: am 15. Dezember 1994 und am 3. August 1997.
Verdächtiger soll Babyleiche verbrannt haben
Die vermeintlichen Großeltern beantragen bei der Jugendwohlfahrt Amstetten eine Adoption des gefundenen Mädchens, die rund ein Jahr später bewilligt wird. Zwischenzeitlich wird das Kind wegen eines Herzfehlers operiert.

Am 15. Dezember 1994 wird im Haus in Amstetten ein weiteres Kind "gefunden", ein zehn Monate altes Mädchen. Josef Fritzl beantragt das Sorgerecht. Seit 1995 befindet sich das Mädchen in Verwandtenpflege.

An der gleichen Stelle wird drei Jahre später, am 3. August 1997, ein 15 Monate alter Bub "entdeckt". Auch der Bub kommt in Verwandtschaftspflege bei den vermeintlichen Großeltern. Ein Zwillingsgeschwisterchen des Buben stirbt einige Tage nach der Geburt mangels entsprechender Versorgung - die Leiche soll der Tatverdächtige im hauseigenen Heizofen verbrannt haben.

In einem vermutlich im Jahr 2003 verfassten Brief berichtet die Frau, am 16. Dezember 2002 einen weiteren Sohn auf die Welt gebracht zu haben.
19. April 2008: Die 19-jährige Tochter der Frau wird ins Krankenhaus Amstetten eingeliefert.
"Dramatischer Vorfall" bringt die Wende
Erste Schritte auf dem Weg in die Freiheit gibt es für sie und drei ihrer Kinder - ein heute Fünfjähriger, ein 18-Jähriger sowie eine vermutlich 19-Jährige (das genaue Geburtsdatum ist unbekannt) im April 2008 durch einen "dramatischen Vorfall": Die junge Frau wird schwer krank. Daraufhin drängt sie ihren Vater, die Tochter in das Spital zu bringen.

Der Verdächtige lässt sich erweichen: Am Samstag, dem 19. April, wird die Bewusstlose laut dem mutmaßlichen Täter im Wohnhaus der Großeltern in Amstetten "abgelegt" - eine Lüge, wie sich später herausstellt. Das Mädchen wird in das Landesklinikum Amstetten eingeliefert. Bei ihr findet sich ein Brief, in dem die Mutter um Hilfe für ihr Kind bittet.
26. April 2008: Der 73-Jährige wird von der Polizei verhaftet.
Josef Fritzl erzählt eine neue Geschichte
In den folgenden Tagen starten Medienaufrufe an die Mutter: Sie solle sich melden, um der Tochter möglicherweise das Leben zu retten. Die 42-Jährige nimmt in ihrem Verlies einen solchen Aufruf im Fernsehen wahr und drängt ihren Vater und Peiniger, sie ins Krankenhaus zu bringen. Josef Fritzl willigt ein und tischt dieses Mal seiner Ehefrau die Geschichte auf, dass die verschollen geglaubte Tochter plötzlich mit zwei weiteren Kindern wieder aufgetaucht ist.

Am 26. April 2008 werden Fritzl, seine 42-jährige Tochter und zwei Kinder aufgrund eines Hinweises nach einem Spitalsbesuch bei der vermutlich 19-Jährigen von der Polizei abgefangen. Der Mann wird in Haft genommen. Bei den Beamten dürfte die Frau "ihr Fenster in die Freiheit" gesehen haben und vertraut sich schließlich den Polizisten an, wie Oberst Franz Polzer, Leiter des Landeskriminalamtes Niederösterreich, zwei Tage später in einer Pressekonferenz bekanntgibt.
27. April 2008: Josef Fritzl verrät der Polizei den genauen Ort des Verlieses.
Das Ende: Fritzl legt Geständnis ab
Einen Tag später, am 27. April, verrät Josef Fritzl den Exekutivbeamten, wie sie in das abgesicherte Gefängnis gelangen können. Die Polizisten öffnen das Verlies: Kein Sonnenlicht dringt in die mehreren schmalen Räume, die teilweise nur etwa 1,70 Meter hoch sind.

Sanitäre Einrichtungen, ein Fernseher und eine Kochnische gibt es, in zwei Zimmern Schlafgelegenheiten. Zu Beginn dürfte der Frau nur ein Raum zur Verfügung gestanden sein - offenbar dafür war am 31. Oktober 1978 eine "Errichtung eines unterkellerten Zubaus" genehmigt worden.

Am 28. April 2008 legt der 73-jährige Fritzl ein Geständnis ab. "Er ist im Wesentlichen geständig, schwächt aber in Details ab", berichtet Chefinspektor Leopold Etz vom Landeskriminalamt Niederösterreich. Er wird ans Gericht überstellt, wo am 29. April über ihn U-Haft verhängt wird.
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