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DI | 14.02.2012
Straßenschild nach Gaweinstal (Bild: ORF NÖ)
REPORTAGE
Gaweinstal: Ruhe nach den Staus
Es war die größte Baustelle Mitteleuropas: Fünf Millionen Kubikmeter Erde wurden bewegt, Bäche umgeleitet, Hügel verschoben und Tunnel gegraben. Seit Anfang Februar ist die neue A5 von Korneuburg bis Schrick befahrbar.
"Man kann wieder reden, im Garten"
Neues Lebensgefühl für Bewohner entlang B7
Es wird langsam Frühling in Gaweinstal. Und zum ersten Mal seit langem kann man ihn hören - den Frühling, oder vielmehr das Gezwitscher der Vögel.

Die Amseln zwitschern etwa im Garten von Maria Reidlinger. Sie wohnt direkt an der Brünner Straße (B7). Sie beschreibt das neue Lebensgefül als "ganz, ganz toll".

Man höre die Gläser nicht mehr in der Kredenz scheppern. Der Lärm vom vorbeifahrenden LKW-Verkehr sei so schlimm gewesen, dass man nicht mehr auf der Terasse sitzen konnte. "Man hat kein Wort mehr verstanden", so Reidlinger.

Das sei nun anders. "Man kann wieder reden im Garten."
Baustelle der A5 (Bild: ORF NÖ)
Die A5 war die größte Baustelle Mitteleuropas, nun ist alles anders.
In Gaweinstal gilt Fahrverbot für LKW über 3,5 Tonnen.
"Es ist angenehmer geworden"
Die wenigen Autos, die trotz Nordautobahn durch Gaweinstal fahren, haben Mistelbacher und Gänserndorfer Kennzeichen. LKW fahren kaum noch durch den Ort.

Es sei ruhiger, angenehmer - hört man im Ort.
Kinder könnten wieder alleine unterwegs sein. Die Angst, dass etwas passiert, sei jetzt weniger, heißt es bei den Eltern.
Autolawine in Gaweinstal, vor Eröffnung der A5 (Bild: ORF NÖ)
Früher rollten 20.000 Autos und LKW durch Gaweinstal.
Aus der Autogemeinde- soll eine Fußgeher- und Radfahrergemeinde werden.
Der Wermutstropfen
Die wenigen Autos, die nun auf der B7 unterwegs sind, würden schneller fahren, Momentan fahren die Autos schon mit 100 km/h durch, erzählt ein Anrainer.

Die überbreite Straße verleite zum Rasen. Die Gemeinde plant deshalb einen Rückbau, von elf auf etwa sieben Meter Breite. Der Rest soll zu einem kombinierten Rad- und Fußweg werden.

Einige Gewerbetreibende sind allerdings skeptisch.
Stammkunden fahren aber extra von der A5 ab.
Umsatzeinbußen, weil Laufkundschaft fehlt
Im Gaweinstaler Kaffeehaus würden seit der Autobahn-Eröffnung etwa 20 Prozent an Laufkundschaft fehlen, sagt die Konditorin Rosmarie Tittel. "Um einen Kaffee bleibt man oft sehr spontan stehen", meint sie. Das falle jetzt weg.

Es gibt aber auch hier positive Überraschungen - Stammkundschaft aus Tschechien, die extra wegen des guten Kaffees extra von der Autobahn abfahren.

"Meine Frau sagt: In Gaweinstal musst du stehen bleiben, wegen der Melange", sagt der Stammkunde aus Tschechien.

Wer weiß: Wenn es dann einen Schanigarten an der verkehrsberuhigten Brünner Straße gibt, vielleicht bleiben dann doch einige länger sitzen.
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