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DO | 09.02.2012
Jerome Savary (Bild: APA/Andreas Pessenlehner)
Jérôme Savary
THEATER
Baden: "Alpenkönig"-Premiere in Savary-Regie
Jerome Savary inszeniert Ferdinand Raimunds "Der Alpenkönig und der Menschenfeind" in der Sommerarena Baden. Premiere war am Freitagabend, in der Rolle des "Rappelkopf": Karl Markovics.
"Die Sommerarena ist ganz zauberhaft, aber technisch sehr schwierig", erklärt Savary.
Nach langer Zeit wieder in Österreich
Der große Theaterzauberer Jérôme Savary arbeitet mit dieser Inszenierung nach langer Zeit wieder an einem österreichischen Theater.Was bringt einen der berühmtesten Regisseure der Welt dazu, sich für eine Inszenierung in Baden und St. Pölten zu entscheiden?

Savarys Antwort im APA-Interview: "Ich fand Isabella Suppanz, die Intendantin des Landestheaters NÖ, sehr sympathisch. Sie wollte mich wirklich haben, und das hat mich überzeugt. In meinem Alter war ich an den großen Bühnen, von der Scala in Mailand bis zum Burgtheater, und wenn es passt, arbeite ich auch gerne an kleinen Theatern. Manchmal ist die Sympathie ausschlaggebender als der Bekanntheitsgrad."
"Der Alpenkönig und der Menschenfeind" in Baden (Bild: APA/Andreas Pessenlehner)
Michael Masula als Alpenkönig, Hendrik Winkler als junger Maler und Katharina v. Harsdorf als Malchen (v.l.n.r.) in Raimunds "Der Alpenkönig und der Menschenfeind" in der Sommerarena Baden.
"Savary verdanken wir einige der lustvollsten Theaterstunden" (Die Zeit).
Savary: "Es ist ein universelles Stück"
Auf die Frage von Ewald Baringer, ob es tatsächlich Savarys erste Auseinandersetzung mit Raimund ist, sagt der Regisseur:

"Absolut! Nestroy kannte ich etwas, Raimund gar nicht. Deshalb habe ich die Arbeit in Baden auch angenommen, weil ich das Stück interessant finde. Eine Mischung aus Märchenstück, Tennessee Williams und Pirandello. Manche Passagen sind sehr modern, auch die Partie des Rappelkopf. Die folkloristische Seite habe ich herauszunehmen versucht. Für mich ist es kein typisch österreichisches Volksstück, es ist ein universelles Stück."
"Der Alpenkönig und der Menschenfeind" in Baden (Bild: APA/Andreas Pessenlehner)
Boris Eder als Habakuk, Michael Masula als Alpenkönig und Karl Markovics als Rappelkopf (v.l.n.r.).
Nicole Beutler und Karl Markovics (Bild: APA/Andreas Pessenlehner)
Nicole Beutler und Karl Markovics.
"Das Stück ist überhaupt nicht romantisch"
Frage: In Österreich werden Raimunds Stücke meistens als romantische Zaubermärchen empfunden - Ihre Interpretation wird wohl eine andere sein?

Savary: Es ist ja überhaupt nicht romantisch. Dieser Kerl hat seine drei Frauen umgebracht, wie Blaubart, er martert seine Familie, er ist kein guter Charakter. Natürlich wird er am Ende ein guter Mensch, und es gibt märchenhafte Züge, aber ein Märchen ist das nicht.

Frage: Sie werden oft als Theatermagier apostrophiert - finden Sie bei Raimund auch etwas Magisches?

Savary: Der Alpenkönig ist ein Zauberer, er kann den Felsen öffnen, und Wasser fließt. Aber er ist auch ein Gangster, wie die meisten Zauberer. Magie gibt es nicht, jeder Zauberer wird Ihnen erklären, dass alles auf Technik beruht. Zauberer sind Gangster.
Mehr über Jérôme Savary
Jérôme Savary wurde 1942 in Buenos Aires geboren. Er studierte Musik, arbeitete als Jazzmusiker in New York und als Comiczeichner.

Nach ersten Regiearbeiten an Theatern in Argentinien und Frankreich gründete Savary 1965 in Paris die Compagnie Jérôme Savary, aus der sich Le Grand Magic Circus und schließlich Le Grand Magic Circus et Ses Animaux Tristes entwickelte. Mit seiner überwiegend aus Laiendarstellern bestehenden Theatertruppe, bei deren Aufführungen er selbst oft als Conférencier mitwirkte, wurde Savary auch international bekannt.

Die Bandbreite seiner Regiearbeiten ist sehr weit und umfasst Theater, Oper, Operette und Musical. Von 1988 bis 2000 war Savary Direktor des Théâtre National de Chaillot und danach bis 2007 Intendant der Pariser Opéra-Comique.
"Karl Markovics ist intelligent", sagt der Regisseur.
"Ich habe ein gutes Ensemble in Baden"
Auch wenn die Schauspieler aus verschiedenen Richtungen kämen, so spielen sie nach Ansicht Savarys am Ende wie eine feste Company, "ein richtiges Ensemble, wie mein alter Magic Circus."

Über das "Alpenkönig"-Ensemble meint Savary: "Karl Markovics ist ein sehr guter Schauspieler, er ist intelligent, und es ist ein Vergnügen, mit ihm zu arbeiten. Auch Nicole Beutler ist eine sehr gute Schauspielerin. Und ich finde, Isabella (Suppanz) hat da ein gutes Ensemble zusammengestellt.
Jerome Savary (l.) und Karl Markovics (Bild: APA/Andreas Pessenlehner)
Regisseur Jérôme Savary und Karl Markovics.
Savary bezeichnet sich selbst als ewiges Kind, der gerne mit der Welt spielen möchte. So etwas ist ansteckend - hoffentlich auch für das Publikum.
Karl Markovics ist der "Herr von Rappelkopf"
Die Rolle des Menschenfeinds Rappelkopf spielt der vielfach ausgezeichnete Theater- und Filmschauspieler Karl Markovics.

Gegenüber noe.ORF.at sagte Markovics: "Die Zusammenarbeit mit Jérôme Savary war intensiv und sehr herzlich. Savary ist jemand, der nicht behauptet, im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein, sondern einer, der mit Möglichkeiten spielt. So erklärt sich auch sein Arbeitsstil als Summe von unterschiedlichsten Theaterformen - Zirkus, Varieté, Commedia dell'arte."
Markovics über Probenarbeit und Stück
"Savary bezeichnet sich selbst als ewiges Kind, das gerne mit der Welt spielen möchte. So etwas ist ansteckend - hoffentlich auch für das Publikum.

Ich kann schwer sagen, was die größte Schwierigkeit bei diesem Stück war; vielleicht der Spagat zwischen Spiel und Wirklichkeit, zwischen überhöhtem Zaubertheater und existenzieller Not. Beides auf die Bühne zu bringen, ohne dass eines das andere erdrückt. Das ist wahrscheinlich die größte Herausforderung."
"Der Alpenkönig" wurde 1828 im Theater in der Leopoldstadt in Wien uraufgeführt.
Ein Märchen über Hochmut und Einsicht
"Der Alpenkönig und der Menschenfeind" ist das vollendetste und tiefgründigste Werk des österreichischen Dramatikers Ferdinand Raimund (1790-1836).

Ausgehend vom traditionellen biedermeierschen „Besserungsstück“ entwickelt Raimund ein Märchen um Hochmut und Einsicht, in dem ein scheinbar unbekehrbarer Mensch in einer Zerreißprobe zwischen Therapie und Tortur schließlich dazu gebracht wird, sich selbst zu erkennen.
"Der Alpenkönig und der Menschenfeind" in Baden (Bild: APA/Andreas Pessenlehner)
Pippa Galli (l.) als Lischen und Karl Markovics (r.) als Rappelkopf.
"So leb' denn wohl, du stilles Haus" wurde zum Volkslied.
Raimund schrieb "eine Seelenschau"
Ein Klassiker des Welttheaters – mit Elementen des barocken Märchens, aber auch die Selbstanklage eines modernen, existentiell erschütterten Menschentums, „eine Seelenschau die sich im Spiegelrahmen einer populären Komödie bewegt“, schrieb der Literaturwissenschaftler Heinz Politzer.
Zusatzvorstellung am Sonntag, 29. August um 19.30 Uhr in der Sommerarena.
Im Juli in Baden, ab Oktober in St. Pölten
"Der Alpenkönig und der Menschenfeind" ist eine Koproduktion des Landestheaters Niederösterreich mit der Bühne Baden.

Nach der Spielserie in der Sommerarena Baden vom 23. Juli bis 7. August 2010 wird die Produktion ab 2. Oktober 2010 ins Landestheater Niederösterreich in St. Pölten übernommen.

Informationen und Karten gibt es unter 02252/22 522 (Bühne Baden) und 02742/90 80 60–600 (Landestheater NÖ).
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