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MI | 11.04.2012
Leopold Maderthaner (Bild: APA)
Im 72. Lebensjahr
Leopold Maderthaner gestorben
Der ehemalige Wirtschaftskammer-Präsident Leopold Maderthaner ist tot. Er ist nach schwerer Krankheit in der Nacht auf Sonntag im 72. Lebensjahr gestorben. Maderthaner war von 1990 bis 2000 Präsident der Wirtschaftskammer.
In Hausmening 1935 geboren.
In Amstetten geboren
Maderthaner wurde am 9. September 1935 in Hausmening im Bezirk Amstetten geboren. Er absolvierte die HTL St. Pölten, Fachrichtung Elektrotechnik.

Nach vierjähriger Tätigkeit in der Industrie gründete er 1959 die Firma Neon-Maderthaner. Von 1972 bis 1985 war der Vater von vier Töchtern Stadtrat von Amstetten.
War Bundesrat und Nationalrat
1979 wurde Maderthaner vom Land Niederösterreich in den Bundesrat entsandt, 1989 wurde er in den Nationalrat gewählt, dem er bis 1995 und dann wieder von Jänner 1996 bis 2001 angehörte.
Maderthaner war Handelskammer-Chef und Präsident von Wirtschaftsbund und Wirtschaftskammer.
Löste Sallinger in der Wirtschaftskammer ab
Seit 1968 bekleidete Maderthaner verschiedene Funktionen in der Handelskammer Niederösterreich. 1986 wurde er zu deren Präsidenten gewählt. Am 30. September 1989 wurde Maderthaner auf der 13. Generalversammlung des Österreichischen Wirtschaftsbundes zum neuen Präsidenten und damit zum Nachfolger von Rudolf Sallinger gewählt.

Im Dezember 1990 schließlich löste er Sallinger auch an der Spitze der damals noch Bundeswirtschaftskammer genannten Interessenvertretung ab.

Nach zwei Funktionsperioden stellte er sich im Jahr 2000 nicht mehr der Wiederwahl, weil er im Zusammenhang mit der Verleihung von Kommerzialratstiteln in den Verdacht geraten war, Spendengelder angenommen und nicht versteuert zu haben. Er sprach von einer Intrige.

Sein Nachfolger wurde Christoph Leitl. 2001 zog er sich auch aus dem Nationalrat zurück.
Leopold Maderthaner mit seinem Nachfolger Christoph Leitl (Bild: APA)
Handshake zwischen dem scheidenden Wirtschaftskammerpräsidenten Leopold Maderthaner (l.) und seinem Nachfolger Christoph Leitl im Jahr 2000.
Bundespräsident Fischer: "Langjährige Stütze der Sozialpartnerschaft".
"Sachlich und konsensfähig"
Bundespräsident Heinz Fischer würdigte Maderthaner als "langjährige Stütze der Sozialpartnerschaft". Maderthaner habe sich auch als "sachlicher und konsensfähiger Parlamentarier um Österreich und die österreichische Wirtschaft in höchstem Maße verdient gemacht hat", sagte der Bundespräsident.
LH Pröll zum Tod Leopold Maderthaners.
"Engagierten Sozialpartner verloren"
"Mit Leopold Maderthaner haben wir nicht nur einen großen Niederösterreicher, sondern vor allem auch einen engagierten Sozialpartner und international anerkannten Wirtschaftsvertreter verloren", sagte Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) zum Tod Maderthaners.

Dieser habe sich als wesentlicher Partner bei der Internationalisierung der Wirtschaft weit über die Grenzen hinaus einen Namen gemacht und immer mit großem Einsatz für die Präsenz heimischer Betriebe auf internationaler Ebene Sorge getragen, so Pröll.
Bundeskanzler Gusenbauer: "Historische Gestalt der Sozialpartnerschaft".
"Immer um Konsens bemüht"
Maderthaner sei eine der historischen Gestalten der österreichischen Sozialpartnerschaft gewesen. Immer um Konsens bemüht, habe er wesentlich zum wirtschaftlichen Erfolg in Österreich beitragen, sagte Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) in einer Reaktion auf das Ableben des ehemaligen Wirtschaftskammer-Präsidenten.
Vizekanzler Molterer: "Große Verdienste um EU-Beitritt erworben".
"Große Verantwortung für Österreich"
Maderthaner habe sich beim Beitritt Österreichs zur Europäischen Union große Verdienste erworben, sagte Vizekanzler und ÖVP-Bundesobmann Wilhelm Molterer. „Leopold Maderthaner hat mit großer Verantwortung für Österreich gearbeitet und den Blick fürs Ganze in den Mittelpunkt gestellt", so Molterer.
Leitl: "Verliere einen verlässlichen Freund".
"Österreichs Erfolgsgeschichte mitgestaltet"
Tief betroffen zeigt sich auch Wirtschaftsbund- und Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl (ÖVP): "Österreich hat seinen heutigen Wohlstand zu einem guten Teil auch dem Wirken Leopolds Maderthaners zu verdanken", sagte Leit. Er verliere nicht nur einen guten Gesprächspartner, sondern auch einen verlässlichen Freund, schloss Leitl.
IV: "Stets über Tellerrand hinausgedacht".
"Wegbereiter erfolgreicher EU-Integration"
Als "einen der nachdrücklichsten Wegbereiter der erfolgreichen EU-Integration und international anerkannten Wirtschaftstreibenden" würdigte die Industriellenvereinigung (IV) den ehemaligen Wirtschaftskammer-Präsidenten. Er sei ein Mensch gewesen, der stets über den Tellerrand hinaus gedacht und entsprechend gehandelt habe, sagte IV-Geschäftsführer Markus Beyrer über den Verstorbenen.
ÖGB: "Überzeugten Demokraten verloren".
Für Erfolg der Sozialpartner mitverantwortlich
Österreich habe einen überzeugten Demokraten, einen fairen Sozialpartner und einen engagierten Europäer verloren, sagte ÖGB-Chef Rudolf Hundstorfer. Maderthaner sei untrennbar mit der Erfolgsgeschichte der österreichischen Sozialpartnerschaft verbunden, erklärt Hundstorfer.
Van der Bellen: "Engagierter Sozialpartner".
"Vorkämpfer der Integration"
Mit Maderthaner verliere Österreich einen engagierten Vertreter der Sozialpartnerschaft, der den Ausgleich zwischen Wirtschaft und Arbeitnehmern gesucht habe, so der Bundessprecher der Grünen, Alexander van der Bellen. Er sei auch ein Vorkämpfer der EU-Integration gewesen, würdigte Van der Bellen den Verstorbenen.
Westenthaler: "Großer Mann der Wirtschaft".
"Vertreter der alten Schule der Sozialpartner"
Maderthaner sei ein "Vertreter der alten Schule der Sozialpartnerschaft" gewesen, er werde unvergessen bleiben als großer Mann der Wirtschaft, sagte BZÖ-Chef Peter Westenthaler.
Reaktion der FPÖ.
Integre Persönlichkeit
Als eine integre Persönlichkeit, deren Engagement man anerkennen müsse, auch wenn Maderthaner in wesentlichen Punkten andere Auffassungen als die FPÖ vertreten habe, bezeichnete der freiheitliche Sozial- und Arbeitnehmersprecher Herbert Kickl (FPÖ) den Verstorbenen.
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