Niederösterreich ORF.at
MI | 11.04.2012
Der Verdächtige (Bild: NÖN)
Bild: NÖN
Amstetten
Inzest: Tochter 24 Jahre in Keller gefangen
Ein unfassbares Martyrium hat eine heute 42-jährige Frau in Amstetten erlebt. Sie soll 24 Jahre lang von ihrem Vater in einem Keller eingesperrt und missbraucht worden sein. Aus diesem schweren Fall von Inzest sollen sieben Kinder stammen.
Die 42-jährige Frau hat ihren Vater massiver Verbrechen beschuldigt. Laut Staatsanwaltschaft sind ihre Aussagen glaubhaft.
Opfer sagte bei der Polizei aus
Vergangenen Samstag wurde ein 19-jähriges Mädchen mit einer rätselhaften Krankheit ins Landesklinikum Amstetten gebracht. Bei sich hatte sie einen Brief ihrer Mutter mit der Bitte um Hilfe für die kranke Tochter.

Eine Woche später wurden die Mutter und ihr 73-jähriger Vater beim Spital in Amstetten aufgegriffen und auf die Polizeiinspektion gebracht.

Zuerst wollte die Mutter, die einen verstörten psychischen und auffälligen physischen Eindruck machte, nicht aussagen, berichtet die Polizei. Erst nach einem vertraulichen Gespräch und der Zusicherung, dass es zu keinem Kontakt zum Vater mehr kommt, war sie zu einer Aussage bereit.

Was die 42-Jährige dann zu Protokoll gab, ist unfassbar. Die Aussagen der Frau, die ihren Vater "massiver Verbrechen beschuldigt", seien "glaubhaft", so Gerhard Sedlacek, Sprecher der Staatsanwaltschaft St. Pölten.
Festnahme des Verdächtigen (Bild: KURIER)
Die Festnahme des Verdächtigen 73-Jährigen in Amstetten (Bild: KURIER).
Seit dem 29.8.1984 ist die Frau abgängig. Einen Monat später traf ein Brief bei ihren Eltern ein. Man solle ihr nicht nachforschen, hieß es darin.
Seit dem elften Lebensjahr missbraucht
Am 28.8.1984 soll die Frau von ihrem Vater in einen Keller gelockt, betäubt, mit Handschellen gefesselt und in einen Raum gesperrt worden sein.

Seit ihrem elften Lebensjahr soll sie immer wieder von ihrem Vater sexuell missbraucht worden sein. Diesem Missbrauch in der 24-jährigen Gefangenschaft sollen sieben Kinder entstammen, berichtete die Sicherheitsdirektion NÖ.

Alle Kinder sollen im Verlies zur Welt gekommen sein, sagte Oberst Franz Polzer vom Landeskriminalamt. Sie seien behördlich nicht erfasst gewesen, erläuterte Hans Lenze, Bezirkshauptmann von Amstetten.
Die Kriminalisten bei der Spurensicherung (Bild: APA/Oczeret)
Die Kriminalisten am Sonntag bei der Spurensicherung.
Stichwort: Inzest
Unter Inzest, auch als Blutschande bezeichnet, versteht man laut "Spiegel Wissen"-Lexikon den Beischlaf zwischen Verwandten auf- und absteigender Linie (also zwischen Eltern und Kindern) sowie zwischen Geschwistern.

Inzucht begünstigt Erbkrankheiten und ist in vielen Staaten, wie auch in Österreich, gesetzlich verboten. Über die Häufigkeit von Inzest können keine gesicherten Angaben gemacht werden. Es wird vermutet, dass die Dunkelziffer sehr hoch ist.

In Österreich wird Inzest zwischen Verwandten mit Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr (bei Verführung eines Kindes zum Inzest bis zu drei Jahren) und zwischen Geschwistern mit Freiheitsentzug bis zu sechs Monaten bestraft (§ 211 StGB - "Blutschande").
Vorgespielte Kindesweglegung
Drei Kinder sollen noch als Säuglinge beim Haus des 73-jährigen Verdächtigen abgelegt worden sein, jeweils mit einem handschriftlichen Brief der Mutter, 1993, 1994 und 1997.

Durch diese vorgespielte Kindesweglegung sollen die drei Kinder als Pflegekinder der Großeltern angenommen worden sein. Sie sollen Schulen besucht haben.

Die Gattin des Verdächtigen soll aber nichts von den Gefangenschaften gewusst haben, hat die 42-Jährige ausgesagt. Sie sei nur von ihrem Vater im Keller mit Essen und Kleidung versorgt worden.

Die Gattin des Verdächtigen sagt selbst, dass sie von der Situation nichts mitbekommen habe. "Sie hat es als gegeben hingenommen", so Polzer.
Ein totes Baby verbrannt
1996 soll die Frau Zwillinge zur Welt gebracht haben, beide hätten gelebt, mangels entsprechender Versorgung soll ein Kind einige Tage nach der Geburt gestorben sein.

Der Verdächtige habe den toten Körper aus dem Keller gebracht und verbrannt, sagte die 42-Jährige der Polizei. Auch in diesem Fall werde ermittelt, heißt es von der Staatsanwaltschaft.
Drei Kinder auch im Keller gefangen
Drei weitere Kinder sollen im Keller mit ihrer Mutter eingesperrt gewesen sein, ein Fünfjähriger, ein 18-Jähriger und die 19-Jährige, die jetzt im Krankenhaus liegt und durch die der Fall ins Rollen kam. Diese drei Kinder sollen keine Bildungseinrichtung besucht haben.

Die Opfer werden derzeit stationär psychologisch betreut. Der verdächtige 73-Jährige wurde festgenommen. "Er ist aber nicht zu einer Aussage bereit", hieß es seitens der Polizei.

Ob die Kinder tatsächlich von dem 73-Jährigen gezeugt wurden, werden DNA-Tests klären. Ein endgültiges Ergebnis stand vorerst noch aus, es gebe aber "Anzeichen", wonach es ein verwandtschaftliches Verhältnis gebe, so Oberst Franz Polzer.
Ganz Österreich
Niederösterreich News

 
TV-Programm TV-Thek Radio Österreich Wetter Sport IPTV News