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MI | 11.04.2012
Polizist am Sonntag vor dem Haus in Amstetten (Bild: APA/Oczeret)
Chronik
"Kaum vorstellbar, dass hier jemand wohnt"
Ein verwahrlostes Haus, grau, mit verhängten Fenstern und heruntergelassenen Rollläden, meterhohe Hecken und Büsche: So stellt sich der mutmaßliche Tatort des jahrzehntelangen Martyriums einer 42-Jährigen in Amstetten dar.
"Es gibt Dinge, die will man gar nicht sehen."
Gespenstische Stille am Tatort
"Kaum vorstellbar, dass hier jemand wohnt", sagte ein vor dem Haus wartender Polizeibeamter. Sonntagnachmittag herrschte gespenstische Stille am mutmaßlichen Tatort in Amstetten. Nur wenige Passanten spazierten vorbei.

Männer in weißen Overalls huschten im Garten aus und ein, von der Straße aus erkennt man hinter den hohen Büschen nur ein kleines Gartenhaus.

Die Spurensuche vor Ort wird Tage, wenn nicht Wochen dauern, heißt es. "Es gibt Dinge, die will man gar nicht sehen. Je weniger Bilder man im Kopf hat, umso besser", sagte der Beamte. "Da steckt noch viel Arbeit dahinter."
"Das darf ja nicht wahr sein"
Schockierte Fassungslosigkeit - dieses Gefühl haben die Bewohner jener Straße in Strasshof (Bezirk Gänserndorf) beschrieben, wo Natascha Kampusch bis zu ihrer Flucht jahrelang eingesperrt war. Ähnlich dürften nun die Anrainer in Amstetten empfinden.

"Das darf ja nicht wahr sein. Das gibt es ja normal nicht. Das waren immer nette Leute, das kann man sich gar nicht vorstellen", sagte ein Nachbar zum ORF NÖ. "Furchtbar, furchtbar. Ich kann gar nichts mehr sagen, das ist schrecklich", meinte eine andere Frau.
Luftaufnahme vom Tatort (Bild: ORF)
In diesem Haus soll sich die Tragödie abgespielt haben.
Der Verdächtige wird von Anrainern als unauffällig beschrieben.
"Wir haben da nichts mitbekommen"
Andere Nachbarn beschrieben den heute 73-jährigen Mann, der seine Tochter mehr als 20 Jahre lang gefangen gehalten und missbraucht haben soll, als "unauffällig". Er habe immer "freundlich gegrüßt".

Eine Frau meinte, die Ehefrau hin und wieder mit Enkelkindern gesehen zu haben. "Wir haben öfters gesprochen. Sie ist wirklich ganz nett. Auch mit den Enkelkindern, sie bringt sie zur Schule. Wir haben da nichts mitbekommen."

Eine andere berichtete ebenfalls von Kindern, die manchmal von einer ihr Unbekannten mit dem Auto abgeholt worden seien.
Großvater immer wieder gesehen worden
Der Großvater soll in der Nachbarschaft immer wieder mit seinen Kindern und Enkeln aufgetreten sein. Aber niemand wusste, wo sich die heute 42-jährige Tochter aufhielt.

"Ich habe von Bekannten gehört, dass die Mutter bei einer Sekte ist", sagte eine Passantin zum ORF NÖ.

Es habe immer nur geheißen, sie sei verschwunden. Bis sich am Sonntag herausstellte, dass sie jahrzehntelang in einem verliesartigen Keller gefangen gehalten wurde.
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