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MI | 11.04.2012
Luftaufnahme Amstetten (Bild: ORF)
Inzestfall
Verlies geöffnet: "Häuslich eingerichtet"
Die Polizei hat Sonntagabend das Verlies der 42-jährigen Frau und ihrer Kinder geöffnet. Die fensterlosen Räume sind "häuslich eingerichtet" und waren mit einer elektronischen Sperre gesichert, heißt es von der Polizei.
In dem Kerker wurden sanitäre Einrichtungen, Betten, ein Fernseher und eine Kochnische gefunden.
Mit elektronischer Sperre gesichtert
Wie Oberst Franz Polzer vom Landeskriminalamt sagte, wurde der Zugang hinter einem Regal in einem Werk- bzw. Arbeitsraum entdeckt.

Gesichert war er mit einer elektronischen Sperre, die sich nur mit einem Code öffnen ließ. Diesen verriet der 73-jährige Verdächtige der Polizei, womit er erstmals sein Schweigen brach.

Ein schmaler, etwa 1,70 Meter hoher Gang führte in das Verlies, so Polzer. Diese habe mehrere Räume und sei "häuslich eingerichtet" gewesen.

Gefunden wurden sanitäre Einrichtungen, Schlafstätten, einen Fernseher und eine Kochnische. Außerdem seien Bilder und Poster an den Wänden gehangen. In zwei Räumen gab es Schlafgelegenheiten, zudem war eine Dusche montiert.
Der Verdächtige hat in einer Randbemerkung gemeint, das ihm seine "Familie leidtut". Dann wollte er wieder seine Ruhe haben.
Keine Fenster, kontinuierlich erweitert
Offenbar seien die fensterlosen geheimen Räumlichkeiten nach und nach erweitert worden, sagte Polzer: "Das Gefängnis ist kontinuierlich ausgebaut worden und davon hat niemand etwas mitbekommen", so Polzer. Der Boden sei nicht eben gewesen, es gehe "bergauf und bergab".

Dass der Verdächtige den Türcode verraten habe, sei "vielleicht das erste Signal, zu den Vorwürfen, Stellung zu nehmen", sagte Polzer. Zuvor habe der frühere Elektrotechniker nur in einer Randbemerkung gemeint, dass ihm seine Familie leidtäte. Danach habe er allerdings wieder seine Ruhe haben wollen.
Vorgangsweise "reichlich überlegt"
Der Verdächtige habe sich seine Vorgangsweise "reichlich überlegt". So galt die heute 42-Jährige seit 1984 als vermisst.

Durch die manipulierten Briefe, die den weggelegten Kindern hinzugefügt waren, habe der 73-Jährige den Eindruck erweckt, dass sie zwar am Leben sei, aber sich nicht um die drei Kinder kümmern wolle.

Nach dem Auftauchen der Frau habe er versucht, sie als "missratene Mutter" hinzustellen. Dies habe er mit "sehr großem Geschick gemacht".
Festnahme des Verdächtigen (Bild: KURIER)
Die Festnahme des Verdächtigen (Bild: KURIER).
Keller war "absolut tabu"
Der 73-jährige Verdächtige sei seinen sieben Kindern, jenen die er mit seiner über 60 Jahre alten Ehefrau hat, gegenüber sehr autoritär gewesen. Der Keller sei "absolut tabu" gewesen. Dort habe er seine Werkstatt gehabt, Zutritt dazu wäre verboten gewesen.

Der Gesundheitszustand der 19-Jährigen, die sich im Krankenhaus Amstetten befindet, sei sehr kritisch. "Wir wissen nicht ob sie überleben wird", meinte Polzer. Die 42-jährige sei ebenfalls in sehr schlechter Verfassung. Sie wurde als "extrem bleich" und "fahl" beschrieben, sie sehe 20 Jahre älter aus als sie tatsächlich sei, meinte Polzer.
Söhne sehen erstmals Tageslicht
Die beiden Söhne, die mit der Mutter ebenfalls im Verlies aufgewachsen seien, hätten laut Polzer am Samstag "erstmals Tageslicht" gesehen. Sie seien nur bei künstlichem Licht aufgewachsen. Die Kinder seien völlig verschreckt und ängstlich gewesen.

Polzer betonte, die Exekutive stehe am Beginn der Ermittlungen. Der Verdächtige habe noch nicht mit der Polizei gesprochen. Der Kriminalist zeigte sich aber diesbezüglich zuversichtlich, bei sexuell motivierten Straftaten gebe es eine "hohe Geständnisquote".
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