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MI | 11.04.2012
Der Tatverdächtige trifft Montagnachmittag in der Justizanstalt St.Pölten ein (Bild: ORF)
Inzestfall Amstetten
73-Jähriger nun in Untersuchungshaft
Am Landesgericht St. Pölten ist die Untersuchungshaft über den 73-jährigen Verdächtigen verhängt worden. Die nächste Haftverhandlung findet am 13. Mai statt. Der Mann hat bisher keine Stellungnahme abgegeben.
Der Tatverdächtige trifft Montagnachmittag in der Justizanstalt St.Pölten ein (Bild: ORF) Lange Liste an möglichen Anklagepunkten
Nach Angaben des ersten Staatsanwalts, Gerhard Sedlacek, könnte in den nächsten Tagen eine ergänzende Vernehmung durch die zuständige Staatsanwältin erfolgen.

Man sei erst ganz am Beginn des Verfahrens, die Liste möglicher Anklagepunkte gegen Josef Fritzl ist damit lang: Sie reicht von Freiheitsentziehung, Vergewaltigung, Blutschande, Nötigung und gefährlicher Drohung bis hin zu Mord durch Unterlassung.

All diese Verdachtsmomente werden nun anhand der Ermittlungsergebnisse geprüft. Insgesamt rechnete der erste Staatsanwalt mit einer "nicht unbeträchtlichen Verfahrensdauer" von mehren Monaten.
Vor der Haftrichterin war Fritzl schweigsam
Josef Fritzl wurde am Dienstagvormittag in St. Pölten der Haftrichterin vorgeführt. Vor der Richterin gab sich der Verdächtige schweigsam und äußerte sich nicht zu den Verbrechen, die ihm vorgeworfen werden. Es wurde die U-Haft über Fritzl verhängt, so der erste Staatsanwalt von St. Pölten, Gerhard Sedlacek. Der Verdächtige nahm sich in Absprache mit seinem Anwalt Bedenkzeit.

Die U-Haft gilt vorläufig für die Dauer von 14 Tagen. Nach Ablauf dieser Frist muss darüber entschieden werden, ob die U-Haft fortgesetzt wird oder nicht.

Ob die Angehörigen überhaupt von der Staatsanwaltschaft einvernommen werden können, ist unklar. Zuerst müssen die Betreuer "grünes Licht" für eine Befragung geben, dann hätten aber die Betroffenen aufgrund des verwandtschaftlichen Naheverhältnis das Recht, sich der Aussage zu entschlagen.
Sein Mandant habe auf ihn einen sehr ernsten Eindruck gemacht, er habe einen getroffenen und emotional gebrochenen Menschen vor sich gehabt, schildert der Anwalt.
Treffen mit Anwalt hat bereits stattgefunden
Der Verteidiger des 73-Jährigen, Rudolf Mayer, hat sich Dienstagfrüh bereits kurz mit seinem Mandanten Josef Fritzl getroffen.

Er hat angekündigt, keine Beschwerde gegen die Untersuchungshaft einzubringen. Nun gelte es die Fragen der Zurechnungsfähigkeit und den Schuldgehalt des mutmaßlichen Täters zu klären.
Der Tatverdächtige trifft Montagnachmittag in der Justizanstalt St.Pölten ein (Bild: ORF)
Noch keine Ergebnisse gibt es von den DNA-Untersuchungen. Der Verdächtige gab freiwillig eine Probe ab.
Ermittler sichern weiterhin Spuren
Die Erhebungen gehen auch in Amstetten weiter, am Dienstagvormittag nahm die Spurensicherung im Kellerverlies wieder die Arbeit auf.

Sedlacek sagte, man wolle sich nicht nur auf das Geständnis des Verdächtigen verlassen, sondern dieses auch mit der umfassenden Sicherung von Beweismitteln untermauern.
Tod des Säuglings - offene Fragen
Besonders interessiert die Kriminalisten, unter welchen Umständen der Säugling vor zwölf Jahren starb, dessen Leiche der 73-Jährige im Heizkessel verbrannt haben soll.

Können die Kriminalisten dem Verdächtigen nämlich nachweisen, dass der Säugling bei entsprechender medizinischer Betreuung überlebt hätte, dann könnte der Verdächtige auch wegen Mordes durch Unterlassung angeklagt werden.
Eingang zum Verlies (Bild: Polizei) Konnte er das Verlies alleine errichten?
Obwohl mit dem Geständnis des mutmaßlichen Täters viele Fragen beantwortet sind, sind ebenso viele Details noch offen. So zum Beispiel, ob der Verdächtige möglicherweise doch Mitwisser hatte. Im Speziellen, ob der jetzt 73-Jährige das Kellerverlies tatsächlich allein errichtet hat.

Es geht vor allem um die rund 300 kg schwere Stahltür, mit der das Kellerverlies versperrt war. Konnte der Verdächtige diese Tür tatsächlich alleine einbauen? Dieser Frage gehen jetzt Kriminaltechniker des Innenministeriums nach. Das wurde am Dienstag bei einer Sitzung im Innenministerium beschlossen, sagt Oberst Franz Polzer.
Die Behörden sehen bis dato in ihrem Verhalten aber keine Versäumnisse oder Verfehlungen und weisen Vorwürfe einer mangelnden Überprüfung zurück.
Behörden weisen Vorwürfe zurück
Vorwürfe gegen die Bezirkshauptmannschaft Amstetten, man habe jahrelang die Situation der Familie nicht genau ge- und überprüft, weisen die Behörden zurück.

Es geht vor allem um die Frage, ob die Bezirkshauptmannschaft in den Jahren 1993, 1994 und 1997 ausreichend geprüft habe, unter welchen Umständen die Kleinkinder in die Obhut des jetztigen Verdächtigen und seiner Frau gekommen sind. Der Mann hatte angegeben, seine Tochter habe die Kleinkinder bei ihm abgegeben.
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