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MI | 11.04.2012
Der Tatverdächtige in der Justizanstalt St. Pölten (Bild: ORF)
Josef Fritzl (l.) in der Justizanstalt St. Pölten
Inzestfall Amststten
Josef Fritzl ist in Untersuchungshaft
Josef Fritzl wurde am Dienstag in St. Pölten der Haftrichterin vorgeführt. Vor der Richterin gab sich der Verdächtige schweigsam und äußerte sich nicht zu den Verbrechen, die ihm vorgeworfen werden. Es wurde die U-Haft über ihn verhängt.
Unklar, welche Delikte angeklagt werden
Fritzl nahm sich in Absprache mit seinem Anwalt Rudolf Mayer Bedenkzeit. Unklar ist noch, wegen welcher Delikte Anklage gegen den Verdächtigen erhoben werden kann, meinte der erste Staatsanwalt von St. Pölten, Gerhard Sedlacek.

Insgesamt rechnete der erste Staatsanwalt mit einer "nicht unbeträchtlichen Verfahrensdauer" von mehren Monaten. Staatsanwältin ist Christiane Burkheiser.
Betreuer müssen "grünes Licht" für Vernehmungen durch die Polizei geben.
Offen, ob Verwandte einvernommen werden
Ob die Angehörigen überhaupt von der Staatsanwaltschaft einvernommen werden können, ist unklar. Zuerst müssen die Betreuer "grünes Licht" für eine Befragung geben.

Zu Vorhaltungen, bei den weggelegten Kindern keine DNA-Analyse durchgeführt zu haben, meinte der Amstettner Bezirkshauptmann Hans-Heinz Lenze bei einer Pressekonferenz am Dienstag: "Wir haben an Verwandtschaftsverhältnissen nicht gezweifelt". Er verwies außerdem darauf, dass die DNA-Analyse in den 90er Jahren noch in den Kinderschuhen steckte.
Pressekonferenz am Dienstagnachmittag in Amstetten (Bild: EPA)
Großes Journalisteninteresse bei der Pressekonferenz am Dienstagnachmittag in Amstetten.
Zustand der 19-Jährigen weiter ernst
Der Zustand der 19-jährigen Tochter im Krankenhaus Amstetten war am Dienstagnachmittag weiter ernst. Laut Primarius Albert Reiter werde sie künstlich beatmet und liege im künstlichen Tiefschlaf. Er sprach von einer "kleinen leichten Besserung mit gewisser Stabilität".
Keine verdächtigen Gegenstände in der Wohnung des 73-Jährigen gefunden.
Kein Verdacht gegen Ehefrau
Ein möglicher Verdacht gegen die 68-jährige Ehefrau des 73-jährigen Beschuldigten habe sich in "keinster Weise" gezeigt. Auch seien verdächtige Gegenstände in der Wohnung nicht gefunden worden, was für das inszenierte Doppelleben spreche.

Angesprochen auf einen möglichen Urlaub des Verdächtigen meinte Franz Polzer, der Leiter des Landeskriminalamtes Niederösterreich, dass dies möglich gewesen wäre. Im Verlies befand sich ein Lagerraum, wo genug Nahrungsmittel über eine längere Zeit deponiert werden hätten können.
Franz Prucher und Hans-Heinz Lenze (Bild: EPA)
Franz Prucher (l.), Sicherheitsdirektor von Niederösterreich und Hans-Heinz Lenze (r.), Bezirkshauptmann von Amstetten bei der Pressekonferenz am Dienstagnachmittag.
1994 - anlässlich des ersten Adoptionsverfahrens - waren Josef Fritzl und seine Ehefrau laut Strafregisterauszug unbescholten.
Zugriff auf mögliche Vorstrafen nicht möglich
Hinsichtlich kolportierter Vorstrafen des Verdächtigen wies Lenze darauf hin, dass ein Zugriff auf getilgte Straftaten nicht zulässig sei. Ein Strafregisterauszug anlässlich des ersten Adoptionsverfahrens vom 16. Mai 1994 habe sowohl bei Josef Fritzl als auch seiner Ehefrau ergeben, dass beide unbescholten seien.

Lenze meinte jedoch generell, er stelle sich die Frage, ob im Fall des Falles getilgte Straftaten nicht der Jugendwohlfahrt zugänglich gemacht werden sollten. Dies zu entscheiden sei Aufgabe des Gesetzgebers, so der Amstettner Bezirkshauptmann.

Er führte weiters aus, dass sich die Mitschüler der Kinder ebenfalls in psychologischer Betreuung befänden. Eines der Mädchen, das bei der Großmutter aufgewachsen ist, habe inzwischen auch schon den Wunsch geäußert, wieder die Schule besuchen zu wollen.
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