Niederösterreich ORF.at
MI | 11.04.2012
ORF NÖ berichtet (Bild: ORF)
"Mon Cheri"-Prozess LIVE
noe.ORF.at berichtet live - der Vormittag
Mit dem ORF NÖ können Sie am entscheidenden Prozesstag live dabei sein. Unser Reporter berichtet aus dem Schwurgerichtssaal in Krems. Lesen Sie hier die wichtigsten Aussagen.
Angeklagter: "Es geht um meinen Kopf"
Eine Stunde lang wird jetzt über das Gutachten von Christian Reiter diskutiert. Der Angeklagte stellt es in Frage und hat das Wort ergriffen. Der Auftritt gleicht einer Show - mehrmals geht ein lautes Raunen durch das Publikum. Er gestikuliert dabei mit Zetteln, um seine Ausführungen zu unterstreichen. Der Angeklagte wendet sich auch mehrmals an "die Presse, die hinter mir sitzt".

Osberger in seinen Ausführungen: "Ich sags immer wieder. Mir wärs lieber, wenn der Hannes (Anm. Hirtzberger) hier sitzen könnte und aussagen könnte – dann würd er mich entkräften."

12.20: Osberger erklärt weiter, warum er an dem Gutachten zweifelt. Die Richterin: "Herr Osberger, was wollen Sie den Gutachter fragen." - Darauf Osberger: "Ich will ihn gar nichts fragen, ich widerlege sein Gutachten mit seinen eigenen Worten, bitte, bei mir geht's um lebenslänglich."

12.25: Osberger redet weiter – die Richterin: "Bitte, Herr Osberger, das kann man nicht mitschreiben, ich verstehe ihre Emotionen und ihre Aufregung, immerhin geht es um etwas.“ – Osberger: „Es geht um meinen Kopf".

12.30: Es entsteht ein Disput über Volumen- und Gewichtsmaße. Der zweite Gutachter, Gmeiner, klärt auf. Osberger bleibt im Zeugenstand in der Mitte sitzen.

12.43: Gutachter, Verteidiger und der Angeklagte sprechen weiter über Strychninmengen in dem Gutachten. Es wird turbulent und wohl schwierig für die Schriftführerin.

12.48: Der Angeklagte bleibt dabei - das Gutachten sei rechnerisch "ohne Taschenrechner" zu widerlegen.

12.58: Die Richterin ermahnt den Angeklagten, weil er ihrer Ansicht nach den Sachverständigen attackiert. "Es ist ihnen unvernommen, Beweisanträge zu stellen, aber attackieren sie bitte nicht den Sachverständigen." - Osberger entschuldigt sich, redet aber weiter. Daraufhin ruft die Richterin zu einer Pause - durchatmen bis 14.00 Uhr.

Verteidiger bei Richterin (Bild:APA/ Pfarrhofer)
Osberger will Gutachten widerlegen
12.00: Osberger ergreift das Wort: "Jeder, der hier im Saal ist und ein bisserl rechnen kann, ich habe es in der Zelle auch gekonnt, wird sehen, Dr. Reiter widerspricht sich selbst in seinem Gutachten."

Osberger will Gutachter widerlegen und rechnet nach "Adam Riese". Es sei gar nicht möglich, die Menge von 700 mg und den Likör in eine 2 ml-Spritze zu füllen. Osberger zu Reiter: "Sie führen ihr eigenes Gutachten ad absurdum."

Die Richterin fasst die Ausführungen von Osberger zusammen. Der Gutachter verteidigt sein Gutachten. Osberger fällt ihm einmal ins Wort, woraufhin ihn die Richterin ermahnt, bitte keine Unterstellungen zu machen. - Darauf Osberger: "Mir blüht lebenslänglich – und ich darf mich nicht verteidigen?"
Verdächtiger Helmut Osberger (Bild:APA/Pfarrhofer)
Kann Giftflüssigkeit aus Spritze gedrückt werden?
Verteidiger zweifeln an Gutachter
11.30: Die Verteidiger zeigen das Video. Es zeigt laut Prof. Freissmuth, dass es nicht möglich ist, 700 mg Strychnin in eine Praline zu füllen.

11.32: Alle im Gerichtssaal starren gebannt auf die Leinwand. Freissmuth kommentiert live. "Man bekommt Flüssigkeit nicht so leicht raus, weil die Kirsche im Mon Cheri den größten Platz einnimmt."

11.42: Es hängt von der Menge der Flüssigkeit ab, ob das Herauspressen aus der Spritze möglich ist, sagt Gutachter Reiter.

11.50: Verteidiger Wolfmair und Gutachter Reiter diskutieren über die Löslichkeit von Stoffen.

11.55: Reiter: "Für mich war es eine homogene, gleichmäßig fließende, träge Masse, die gut injizierbar war.

Wolfmair: "Kann man das nur in einem Labor machen?" (Anm. Strychnin in Praline injizieren.)

Reiter: "Ich habe es zuhause am Küchentisch gemacht."
Rast und Kutschera im Gespräch (Bild:APA/ Pfarrhofer)
Verteidiger und Staatsanwalt im Gespräch
Streit um Gutachten
11.15: Verteidiger wollen Versuch vorführen, im Gerichtssaal. Soll Beweis dafür sein, dass 700 mg Strychnin nicht in ein Mon Cheri injiziert werden können. Verteidiger Wolfmair zweifelt den Versuch des Gutachters Reiter an.

Verteidigung hat Experten, Michael Freissmuth von der Universität Wien, Vorstand des Instituts für Pharmakologie, mitgebracht. Freissmuth hat alle Utensilien für den Versuch dabei, inklusive verschiedener Formen von Strychnin.

Richterin und Beisitzer ziehen sich zu einer Beratung zurück. Der Antrag wird abgewiesen - Begründung der Richterin: "Versuch unterstellt dem Sachverständigen falschen Versuch, dafür besteht kein Anhaltspunkt."

Rast: "Dann soll es der Professor Reiter machen."

Reiter: "Das mache ich nicht, nicht unter diesen Bedingungen."

Richterin zu Rast: "Sie können gerne Fragen stellen."

Rast: "Wir haben den Versuch auch auf Video. Dürfen wir das vorführen, dann besteht nicht die Gefahr, dass sich jemand mit Strychnin infiziert." - Gelächter. Wieder Beratung - Beweisantrag wird angenommen - Die Verteidiger dürfen das Video vorführen.
Wie bitter ist Strychnin und wann wirkt es?
11.02: Es geht weiter. Richterin und Gutachter diskutieren über Sinneswahrnehmung, es geht um bitteren Geschmack. Strychnin soll sehr bitter sein.

Die Richterin fragt, wie bitter Strychnin ist. - Gutachter: "Mir stand Strychnin zur Verfügung. Wollte es aber nicht probieren." – Gelächter im Gerichtssaal.

Gutachter: "Hirtzberger muss bestimmt etwas Bitteres geschmeckt haben. Das passt zur Kausalkette, weil er sofort gesagt hat: 'Ich bin vergiftet worden.'"

11.10: Die Geschworenen interessieren sich dafür, wie schnell Strychnin wirkt. Der Gutachter zitiert aus Studien aus dem 19. Jahrhundert. "In der Literatur nach drei bis fünf Minuten tödlich."

11.14: Osberger hat sich seine Brille aufgesetzt und schreibt eifrig mit.
Gutachter: "Lebenslange Behinderung"
Schlussfolgerungen des Gutachters aus Untersuchungen zu Strychnin und der Praline:

1. Es ist möglich, Mon Cheri mit 700 mg Strychnin zu befüllen.

2. Im Inneren der Mon-Cheri-Verpackung, die auf dem Wagen des Opfers gefunden wurde, befanden sich Reste von Strychnin in abgetrocknetem Zustand.

3. Die Mon-Cheri-Folie wurde mit Superkleber nachträglich verschlossen.

Gesundheitliche Folgen für das Opfer: "Schwere Dauerfolgen - mit lebenslanger Behinderung ist zu rechnen."

Nach diesem Vortrag des Gutachters tut eine Pause gut - Bis 11.00, ordnet die Richterin an. Der Saal ist innerhalb von Minuten leer. Fragen an den Gutachter nach der Pause.
Der Angeklagte gibt sich selbstsicher
Bis auf den letzten Platz gefüllt
10.35: Der Schwurgerichtssaal ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Manche Kiebitze haben keinen Platz mehr ergattert und haben auf den Stiegen Platz genommen. Ganz vorne sitzen zahlreiche Journalisten, die den Prozess beobachten.
Wissenschaft im Schwurgerichtssaal
10.22: Gutachter präsentiert die Harnbilanz des Opfers - "etwa 33 Gramm Strychnin über Harn ausgeschieden." - "Problem ist der Zeitraum" - es wird wissenschaftlich im Schwurgerichtssaal.

10.27: Der Gutachter zitiert Studien zur Ausscheidung von Strychnin im Harn. "Je niedriger die Menge an aufgenommenem Strychnin, desto höher prozentuell die Ausscheidung."

10.29: "Meine Kalkulation ergibt eine Konsumation von 700 mg Strychnin" - Das ist ein Richtwert" - "Lasse mir sofort 100 mg herunterverhandeln - aber hier geht es um Größenordnungen."

10.30: Gutachter: "Therapeutische Dosis von Strychnin 1 - 6 mg." - "Es gibt mehrfache Todesberichte bei 30 bis 40 mg."

10.32: Bei Erwachsenem sind 200 mg "fast sicher tödlich" - erläutert die Powerpoint-Präsentation des Gutachters.
Gutachter erläutert Chronologie
10.00: Gutacher Reiter beginnt mit seinem Vortrag. Er erläutert die Chronologie der Vergiftung von Hannes Hirtzberger am 9. Februar 2008.

10.12: Chemische Vorlesung über Strychnin von Dr. Reiter: "Könnte über Strychnin eine ganze Stunde reden."

10.18: Reiter: 8x8x8 mm - so groß müsste ein Würfel für 700 mg (0,7g) Strychnin sein - abgeleitet von der Dichte des Stoffes.
"Der richtige Ansprechpartner?"
9.46: Osberger bespricht sich immer wieder mit seinen Verteidigern, die hinter ihm sitzen. Neben dem Angeklagten sitzen drei Beamte der Justizwache.

9.51: Rast zu Gutachtern: "Sie hätten also die Inhaltsstoffe des Mon Cheri überprüfen können, hatten aber nicht den Auftrag." - "Wurden Sie von der Staatsanwaltschaft als der richtige Ansprechpartner ausgewählt?"

9.53: "Hätte das ein anderes Labor besser machen können?" - fragt Rast den Gutachter: "Dazu kann ich keine Stellungnahme abgeben."
Rast zeigt Richterin eine Schachtel Pralinen
9.38: Verteidiger Rast zeigt der Richterin eine Schachtel "Mon Cheri": "Hier können Sie die Inhaltsstoffe ablesen".

Gutachter: "Analyse nicht auf Nahrungsmittelbestandteile ausgerichtet."

9.40: Rast: "Wurden Inhaltsstoffe eines Mon Cheri mit Mageninhalt verglichen?" - Gutachter: "Nein".

9.42: Gutachter und Rast diskutieren über Bitterkeit von Strychnin. Laut Rast ist es sehr bitter: "Habe das in Medizinbüchern gelesen." - Gutachter: "Das war nicht mein Auftrag."
Gutachter: "Strychnin Ursache der Vergiftung"
9.31: Gutachter beginnt mit Vortrag zu Mageninhalt, Blut und Urin des Opfers Hannes Hirtzberger.

"Es handelte sich um Strychnin als Ursache der Vergiftung."

"Chemische Analyse des Magensafts verweist eindeutig auf Strychnin und auch darauf, dass es oral aufgenommen wurde."

"Gift als chemisch reine Zubereitung aufgenommen, nicht als pflanzliche Zubereitung."

"Kein eindeutiger Hinweis, dass Schokolade konsumiert wurde."
Jagdkollege weiß nichts über Giftköder
9.24: Zweiter Zeuge des heutigen Tages. Pensionist Kurt Wenzel, war Jäger im Revier des Vaters des Angeklagten, von Verteidigung geladen.

Zeuge: "Dort habe ich die Jagd gelernt, habe mich um Revier gekümmert, zum Beispiel Tiere gefüttert."

Richterin: "Sind da mit Strychnin versetzte Giftköder verwendet worden?"

Zeuge: Da weiß ich nichts darüber, ist mir nichts bekannt. "Das müsste bei der BH gemeldet gewesen sein."
Ehemaliger Bürgermeister als Zeuge
9.20: Erster Zeuge betritt in den Gerichtssaal. Walter Nunzer, ehemaliger Bürgermeister von Spitz, der Vorgänger von Hannes Hirtzberger. Wurde von Verteidigung geladen, um über Motiv zu sprechen.

"Ich hab keine persönlichen Wahrnehmungen, in meiner Amtszeit gab es keine Differenzen zwischen den beiden."

Frage wegen Umwidmung in Bauland von Verteidiger Wolfmair:

Nunzer: "Osberger wollte 1986 oder 1987 wollte eine Art Disneyland errichten, das würde von Gemeinde abgelehnt. Später wollte er eine Siedlung errichten, 1998 oder 1999. Das habe ich unterstützt, aber die Einreichpläne sind nie zur Verhandlung gekommen."
Helmut Osberger (Bild: APA/ Herbert Pfarrhofer) Angeklagter bleibt bei "nicht schuldig"
9.00: Helmut Osberger betritt den Gerichtssaal, begleitet von drei Justizwachebeamten und zahlreichen Kameras. Gelassen beantwortet er einige kurze Fragen. Er hat eine Mappe mit Unterlagen dabei.

9.05: Richterin Ingeborg Kristen beginnt die Verhandlung. Der Antwort bleibt bei seiner Verantwortung auf "nicht schuldig".

9.10: Richterin: "Verbotene Faustfeuerwaffen auf ihrem Anwesen gefunden."

Osberger: Das stimmt. Ich bin Jäger, war in Schützenvereinen gemeldet. Die Waffen sind gemeldet. Hab die Pistole zur Wildschweinnachsuche verwendet. Ich habe nicht gewusst, dass die Munition verboten ist.

9.13: Der Angeklagte ist mit einem roten Pulli bekleidet und beantwortet entspannt die Fragen von der Richterin und dem Staatsanwalt. Neben ihm lehnt eine Krücke auf der Anklagebank.

9.15: Staatsanwalt: "Da müssen Sie Nachschulungen machen." - Osberger: "Wollen Sie mich verurteilen, weil ich keine Nachschulungen gemacht habe?"

9.16: Osberger: "Ich werde mich dann genau erkundigen, wenn ich da draußen bin." (Anm. über Waffengesetz zu Staatsanwalt)
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