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MI | 11.04.2012
Glanzstoff St. Pölten (Bild: ORF NÖ)
Wirtschaft
Glanzstoff - eine Ära geht zu Ende
Mit der Schließung der Viskose Garnfabrik Glanzstoff in der Landeshauptstadt geht eine Ära zu Ende - seit 1906 war die Glanzstoff einer der wichtigsten Betriebe in St. Pölten.
Erfolge wechselten sich mit Firmenkrisen ab.
100 Jahre Industriegeschichte sind zu Ende
Die Glanzstoff hatte in den mehr als 100 Jahren ihres Bestehens eine wechselvolle Geschichte, es war ein stetiges Auf und Ab für den Viskosegarnhersteller mit zahlreichen Eigentümerwechseln.

Immer wieder galt es, Krisen zu meistern, doch selbst nach einem Bankrott ging es wieder bergauf. Mit der Entwicklung künstlich hergestellter Fasern auf Viskosebasis leitete das Unternehmen vor Jahrzehnten eine textile Revolution ein.
Glanzstoff St.Pölten, nach 1900 (Bild: Glanzstoff Austria)
Glanzstofffabrik in St. Pölten zur Zeit der Eröffnung der Fabrik.
Seit 1906 in St. Pölten ansässig.
Aus während der Weltwirtschaftskrise
1904 wurde die erste Österreichische Glanzstoff-Fabrik gegründet, 1906 wurde dann der Betrieb in St. Pölten mit 306 Mitarbeitern aufgenommen.

Im Laufe der Jahrzehnte wurden die neuen Viskosefasern nicht nur für Textilien und Bekleidung eingesetzt, sondern auch im technischen Bereich. 1929 waren am Produktionsstandort in St. Pölten etwa 3.000 Mitarbeiter beschäftigt. Infolge der Weltwirtschaftskrise musste der Betrieb aber von 1930 bis 1932 stillgelegt werden.
Glanzstofffabrik, um 1910 (Bild: Glanzstoff Austria)
Glanzstofffabrik St. Pölten, um 1910
Aufschwung während der NS-Zeit, Kurzarbeit in den 1970er-Jahren.
Zahlreiche Besitzerwechsel nach 1945
Während des Zweiten Weltkriegs waren technische Garne besonders gefragt, was einen Aufschwung für das Werk brachte. Nach dem Krieg wurde das Werk von den Sowjets übernommen, wurde später ein Teil des holländischen AKU-Konzerns und in weiterer Folge der ENKA-Gruppe.

In den 1960er-Jahren wurde die Produktion um Viskosegarne zur Verstärkung von Autoreifen erweitert. 1975 musste die Produktion aber infolge der weltweiten Rezession eingeschränkt und auf Kurzarbeit übergegangen werden.
1982: Diskussion über die Schließung. 1994: Expansion bis zur Weltspitze.
Vom Bankrott wieder zur Weltspitze
1982 gab es Diskussionen über eine mögliche Schließung, ein Jahr später wurde die Glanzstoff ein eigenständiges österreichisches Unternehmen in Staatsbesitz. In den folgenden Jahren konnten die höchsten bis dahin erzielten Produktionsmengen und Umsätze erreicht werden, 1988 wurde an die Lenzing AG verkauft.

Anfang der 1990er-Jahre gab es dann den großen Absturz: die Glanzstoff schlitterte in den Bankrott.

1994 übernahm der deutsche Industrielle Cornelius Grupp Teile des Standorts. Die Firma expandierte und wurde zum weltweit zweitgrößten Hersteller von Viskosegarnen.
Brand bei Glanzstoff (Bild: APA/FF Unterradlberg) Mit dem Brand begann das endgültige Aus
1998 wurde eine Abluftanlage in Betrieb genommen, die der jahrzehntelangen produktionsbedingten Geruchsbelästigung in St. Pölten ein Ende setzte.

Im Bereich dieser Abluftanlage kam es im Jänner 2008 zu jenem verheerenden Großbrand, dem kurz darauf das endgültige Aus
für das Traditionswerk folgte.

Mitte Juli war es bittere Gewissheit: Die Einstellung der Produktion mit Jahresende wurde beschlossen.
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