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MI | 11.04.2012
Zeichnung: Josef F. vor Richterin Andrea Humer (Bild: APA/Swiczinsky)
Inzestprozess
Gesichtsloses Teilgeständnis am ersten Tag
Um 9.26 Uhr hat Josef F. vor den Augen der ganzen Welt am Montag den Schwurgerichtssaal betreten. Er versteckte sein Gesicht hinter einem Aktenordner. F. legte am ersten Prozesstag ein teilweises Geständnis ab, Mord und Sklaverei stritt er aber ab.
Josef F. bei der Verhandlung am Montag (Bild: APA/Fohringer) Gesteht Freiheitsentziehung und Blutschande
Zu Beginn seiner Einvernahme legte der Angeklagte ein teilweises Geständnis ab. Er gab zu, seine Tochter und die mit ihr im Keller gezeugten Kinder an möglichen Fluchtversuchen gehindert zu haben.

Auch zur Freiheitsentziehung und zur Blutschande bekannte sich der 73-Jährige schuldig.

Die massivsten Anklagepunkte, den Mord durch Unterlassung und Sklavenhandel, wies er zurück. Zu diesem Zeitpunkt waren die Kameras bereits ausgeschaltet.
Auf dem Video sind die Aussagen der Tochter zu sehen.
Geschworene sehen erste Teile des Videos
Die schwierigste Aufgabe kommt auf die Geschworenen zu. Sie müssen unvereingenommen durch die Medienberichte zu einem Urteil kommen. Daher wandten sich Staatsanwältin Christiane Burkheiser und Verteidiger Rudolf Mayer direkt an die acht Geschworenen.

"Vergessen Sie alles, was Sie bisher gehört haben", sagte die Staatsanwältin in Richtung der Geschworenen. Mayer appellierte an die Laienrichter, die "Emotionen wegzulassen".

Bereits am ersten Tag bekamen die Geschworenen erste Teile der Aussagen der Tochter vorgespielt. Die Einvernahmen wurden im Vorfeld auf Video aufgezeichnet. Dazwischen wurde der Angeklagte immer wieder befragt, sagte Gerichtssprecher Franz Cutka bei einer Pressekonferenz am Montagnachmittag.
Josef F. wird von Polizisten in den Schwurgerichtssaal gebracht (Bild: APA/Jäger) Keine Antworten auf Fragen der Journalisten
Als der Angeklagte, der beim Prozessauftakt einen grauen Anzug trug, zuvor in den Gerichtssaal geführt wurde, versteckte er sein Gesicht hinter einem blauen Aktenordner. Fragen von Journalisten beantwortete er nicht.

Bereits eine halbe Stunde vor Prozessbeginn war der Schwurgerichtssaal bis auf den letzten Platz gefüllt.
Christiane Burkheiser (Bild: APA/Jäger)
Christiane Burkheiser
Anklage: "Wie über sein Eigentum verfügt"
So schweigsam F. war, so wortgewaltig war die Staatsanwältin, die von einem unvollstellbaren Martyrium der Opfer sprach.

Burkheiser zeigte Gegenstände aus dem Verlies - sie waren verschimmelt. Die Staatsanwältin ließ die Geschworenen daran riechen. Der Angeklagte habe über seine Tochter wie über sein Eigentum verfügt - er bestimmte, wann sie Lebensmittel oder Kleidung erhielt.

In seiner Replik forderte Verteidiger Mayer die Geschworenen auf, Emotionen beiseitezulassen.
Richterin: "Nicht das Verfahren eines Ortes"
Richterin Andrea Humer machte in einem Eingangsstatement deutlich, dass man es im vorliegenden Fall mit einem Einzeltäter zu tun habe: "Das ist nicht das Verfahren eines Ortes oder einer gesamten Nation."

F. habe ein Recht auf ein faires Verfahren, das Gericht sei "zur strengsten Objektivität verpflichtet", betonte Humer. Vor allem aber seien die Opferrechte zu berücksichtigen, sagte die Richterin.

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Medienandrang (Bild: APA/Hochmuth) Opferschutz - Öffentlichkeit ausgeschlossen
Nach dem Auftakt mussten die anwesenden Journalisten den Schwurgerichtssaal kurz nach 11.00 Uhr verlassen. Der Prozess ging hinter verschlossenen Türen weiter.

Ausländische Medien kritisierten, dass F. sein Gesicht hinter einem Ordner versteckt hielt. "Er soll sich dem stellen, was er getan hat", klagte eine Reporterin des spanischen Fernsehens.
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