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MI | 11.04.2012
Josef F. (Bild: APA/Robert Jaeger)
INZESTPROZESS
Josef F. bekennt sich vollinhaltlich schuldig
Josef F. hat sich am Mittwoch, dem dritten Verhandlungstag im Prozess um den Inzest-Fall von Amstetten, völlig überraschend zu sämtlichen Anklagepunkten schuldig bekannt.
Josef F. gesteht auch den ihm angelasteten Mord.
Bisher hatte er nur Teilgeständnis abgelegt
Das nunmehrige Geständnis umfasst auch den inkriminierten Mord durch Unterlassung und den Sklavenhandel.

Bisher hatte sich der Angeklagte nur teilweise zur versuchten Vergewaltigung, der schweren Nötigung, der Freiheitsentziehung und der Blutschande schuldig erklärt.
Josef F.: "Ich bedaure das."
F. gab als Grund das Video mit der Tochter an
Nach dem überraschenden Geständnis von Josef F. fragte die Richterin den Angeklagten, was ihn zu seinem Sinneswandel bewogen habe.

Der 73-Jährige verwies auf das Video mit der kontradiktorischen Einvernahme seiner Tochter, das den Geschworenen am Dienstag zur Gänze gezeigt wurde.

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Tochter soll im Gericht gewesen sein
Die 42-jährige Tochter von Josef F. soll an der Verhandlung gegen den 73-Jährigen teilweise teilgenommen haben. Das berichtet der "Kurier" in seiner Mittwoch-Ausgabe.

Demnach soll die Frau am Dienstag zum nichtöffentlichen Verhandlungstag - Journalisten und Kameraleute durften das Gerichtsgebäude nicht betreten - im Morgengrauen vom Landesklinikum Mauer bei Amstetten heimlich ins Gericht gebracht worden sein.

Verteidiger Rudolf Mayer, Opfer-Anwältin Eva Plaz und Bernhard Jany, Sprecher der NÖ Landeskliniken-Holding, wollten diese Meldung nicht bestätigen. Auch Gerichtssprecher Franz Cutka wollte sich dazu nicht äußern. Er könne dies "weder bestätigen noch dementieren".
Schuldbekenntnis könnte Höchtstrafe zur Folge haben.
F. nimmt lebenslange Haftstrafe in Kauf
Mit seinem nunmehrigen Geständnis in vollem Umfang der Anklage nimmt Josef F. eine lebenslange Freiheitsstrafe in Kauf.

Sein Schuldbekenntnis, am Tod eines im Keller geborenen Säuglings vorsätzlich mitgewirkt zu haben, indem er es unterließ, dem Buben die nötige ärztliche Hilfe zuteilwerden zu lassen, könnte das Gericht zur Verhängung der Höchststrafe über den 73-Jährigen ermächtigen.
Anwalt Mayer über das Geständnis
Der Verteidiger von Josef F., Rudolf Mayer, sagte in einem Interview nach dem Abschluss des Beweisverfahrens, dass sein Mandant diese Entscheidung getroffen habe, nachdem er am Dienstag die Aussagen seiner Tochter auf Video gesehen hat.

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Bis zum Inzest-Fall wurde dieser Paragraf noch nie angewendet.
"Sklavenhandel" war bisher "totes Recht"
Sollten die Richter Josef F. auch des Sklavenhandels schuldig erkennen, wozu er sich nun ebenfalls geständig gezeigt hat, wäre dies die erste Verurteilung nach diesem Paragrafen in Österreich überhaupt.

Der seit den 1970er- Jahren im Strafgesetzbuch enthaltene Straftatbestand hatte bis zum Inzest-Fall von Amstetten als "totes Recht" gegolten.
Mit Urteil ist am Donnerstag zu rechnen
Die Öffentlichkeit ist am Tag drei im Prozess wieder zugelassen. Mit einem Urteil ist am Donnerstag zu rechnen.
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