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MI | 11.04.2012
Josef F. (Bild: APA/Robert Jäger/Montage)
INZESTPROZESS
Psychiatrisches Gutachten: "Schwer gestört"
Aus gerichtspsychiatrischer Sicht sei Josef F. eine umfassende schwere Störung zu attestieren, sagte die Sachverständige Adelheid Kastner. Sie ging in ihrem Gutachten ausführlich auf die in der Kindheit liegenden Gründe für sein Verhalten ein.
"Schwere emotionale Defizite"
Jahre der Erniedrigung, Angst und Isolation seien durch Machtausübung kompensiert worden, sprach Kastner von schweren emotionalen Defiziten. Nach dem Gutachten wurde die Öffentlichkeit wieder vom Prozess ausgeschlossen.
Hochproblematische Familienverhältnisse bis zu den Großeltern.
Ursachensuche in der Kindheit von F.
Geisteskrankheit, Minderbegabung, tiefgreifende oder eine gleichwertige Bewusstseinsstörung - rechtliche Gründe für Nichtschuldfähigkeit - seien auszuschließen. Wer aber gegen die innere Ordnung über einen so langen Zeitraum hindurch derart geplant und zielgerichtet handle, müsse schwer gestört sein.

Bei der Ursachensuche müsse man bis in die Kindheit des Angeklagten zurückgehen, bis zu seinen Großeltern lagen hochproblematische Familienverhältnisse vor. Für seine Mutter, die selbst außerehelich gezeugt wurde, sei er eine Belastung gewesen und habe keine Zuwendung bekommen. Kinder in einer Ehe "hineinzuadoptieren" kannte er also aus der eigenen Familie.
F. als "emotionaler Analphabet".
Klima im Elternhaus geprägt von Angst
Das Klima im Elternhaus sei von Schlägen, von Angst vor und zugleich Angst um die Mutter, die die einzige Bezugsperson war, geprägt gewesen. Sie habe ihm alles andere als ein Gefühl der Geborgenheit vermittelt, er habe kein Urvertrauen erlebt.

Die Fähigkeit zu lieben entwickle sich nur, wenn man diese Gefühle auch erfährt, so Kastner. Andernfalls werde man zum "emotionalen Analphabeten".
Das Machtbedürfnis wuchs ständig.
Wendepunkt in der Pubertät
Ein Leben unter Angst sei auf Dauer nicht auszuhalten, die Gegenstrategie, Gefühle wegzuschieben. Diese ließen sich aber nicht auf Dauer verdrängen. F. habe aber gewusst, dass er gescheit war und die Möglichkeit hatte, etwas aus sich zu machen.

In der Pubertät sei der Wendepunkt gekommen, sich von der Mutter nichts mehr bieten zu lassen, die Situation umzudrehen - das Machtbedürfnis sei gewachsen und gleichzeitig der Wunsch, einen Menschen ganz für sich zu haben, bei dem man keine Angst mehr haben muss, ihn zu verlieren.
"F. nimmt seine bösartige Seite selbst wahr"
Kastner sprach von einem Vulkan: Unter der Oberfläche brodelten Bedürfnisse nach Dominanz und Herrschen: "Josef F. nimmt seine bösartige Seite selbst wahr", auch, dass er zum Vergewaltiger geboren sei. Er könne sich ganz gut kontrollieren, aber wenn er die Kontrolle lockere, breche das durch, erinnerte die Psychiaterin an eine begangene Vergewaltigung.
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