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MI | 11.04.2012
Plakat NÖ Landesausstellung 2009 (Bild: NÖ Landesausstellung)
LANDESAUSSTELLUNG 2009
200.000 Flüchtlinge nach dem August 1968
Die Panzer der Warschauer-Pakt-Truppen wälzten im August 1968 brutal den "Prager Frühling" nieder, die Reformbestrebungen von Alexander Dubcek waren beendet. Mehr als 200.000 Tschechoslowaken flüchteten nach Österreich.
Einmarsch der Warschauer Pakt-Truppen in Prag, 1968 (Bild: EPA/-/vn/mas/jl) Das brutale Ende des "Prager Frühlings"
In der Nacht vom 20. zum 21. August 1968 marschieren Truppen des Warschauer Paktes (ohne die DDR) in der CSSR ein und beenden damit abrupt den „Prager Frühling“.

Eine militärische Übermacht überrollt das Land binnen weniger Stunden. Die Bevölkerung ist fassungslos.

Die KPTsch-Führung in Prag erteilt der Armee den Befehl, keinen aktiven Widerstand zu leisten. Dennoch erreicht der zivile Widerstand enorme Ausmaße: Streiks und Proteste lähmen das öffentliche Leben im Land. Die Bilder des ORF gehen, wie zuvor die Kommentare von Hugo Portisch, um die Welt.
Hugo Portisch, Juli 1968 (Bild: ORF)
Hugo Portisch in Prag (30. Juli 1968).
Prag, 21. August 1968 (Bild: ORF) Für die USA eine "interne Angelegenheit"
Die USA akzeptieren die Invasion im Sinne der Teilung der Welt in eine westliche und östliche Einflusssphäre.

Washington gibt Moskau zudem klar zu verstehen, dass man die Ereignisse als „Angelegenheit der Tschechoslowaken und der anderen Warschauer-Pakt-Staaten“ – also als interne Sache – verstehe.
Brežnev: "Niemanden aufhalten, Konterrevolutioänre sollen weglaufen."
Mehr als 200.000 flüchteten nach Österreich
Von der Niederschlagung des „Prager Frühlings“ bis zur endgültigen Grenzschließung seitens der CSSR im Oktober 1969 ist Österreich Erstaufnahme- und Asylland für zehntausende Flüchtlinge.

Alleine bis Dezember 1968 kommen mehr als 200.000, davon etwa 50.000 Jugoslawien-Touristen, denen durch eine Sperre der ungarischen Grenzen der Weg in die Heimat verwehrt ist.

Die Einreise der meisten CSSR-Bürger erfolgt legal: Der sowjetische KP-Chef Leonid Brežnev erteilt vor der Invasion die Anweisung, „nicht die aufzuhalten, die in den Westen flüchten. […] wenn das ein Konterrevolutionär ist, so soll er doch weglaufen."
Literaturtipp
Stefan Karner – Natalja Tomilina – Alexander Tschubarjan – Viktor Išcenko – Michail Prozumenšcikov – Peter Ruggenthaler – Oldrich Tuma – Manfred Wilke (Hg.), Prager Frühling. Das internationale Krisenjahr 1968. 1. Beiträge. Köln-Weimar-Wien 2008.
Sowjetische Panzer in Prag, August 1968 (Bild: dpa/Stf/MAS/jl) Österreich ist für viele nur Zwischenstation
Für den allergrößten Teil der tschechoslowakischen Flüchtlinge stellt Österreich jedoch nur eine Zwischenstation dar.

Viele kehren nach einiger Zeit wieder zurück oder wandern in andere westliche Staaten aus. Nur einige tausend Flüchtlinge bleiben länger in Österreich.
In der Ausstellung zu sehen
Österreichisches Schulzeugnis von Zuzana Brejcha, 6. Oktober 1970 (BG Wien, Haizingergasse). Papier.
Privatsammlung Brejcha.
Schulzeugnis von Zuzana Brejcha, 1970 (Bild: Peter Böttcher)
Für 3.000 wird Österreich die neue Heimat
Das erste Schulzeugnis von Zuzana Brejcha in Österreich trägt den Vermerk „Staatenlos“. Bereits am 3. März 1969 erhält sie mit ihrer Familie in Österreich Asyl.

Viele Flüchtlinge emigrieren über Österreich in andere westliche Länder oder kehren in die CSSR zurück. Etwa 2.000 bis 3.000 Tschechen und Slowaken bleiben in Österreich.
Der Wenzelsplatz in Prag, August 1968 (Bild: EPA/-/vn/mas/jl)
Demonstration auf dem Prager Wenzelsplatz (August 1968).
Die Flüchtlinge wurden von den Behörden und der Bevölkerung versorgt.
Stern: "Mehr Flüchtlinge als bisher geglaubt"
Die Grazer Historikerin Silke Stern: „Nicht wie bisher angenommen kamen nicht nur 162.000 Flüchtlinge nach Österreich, sondern allein bis Dezember 1968 knapp 210.000 tschechoslowakische Staatsbürger."

Sie hielten sich zumindest zeitweise in Österreich auf, wurden von den österreichischen Behörden unter Mitwirkung von Freiwilligen aus der Bevölkerung versorgt.

"Da die 'Normalisierung' in der CSSR erst langsam einsetzte und die Identifikationsfigur, Alexander Dubcek, erst im April 1969 abgesetzt wurde, sind sehr viele nach einem kurzen Aufenthalt in Österreich wieder zu ihren Familien in der Tschechoslowakei zurückgekehrt“, so Silke Stern.
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