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MI | 11.04.2012
Plakat NÖ Landesausstellung 2009 (Bild: NÖ Landesausstellung)
LANDESAUSSTELLUNG 2009
Nepomuk - Märtyrer und Symbol
Der im Jahr 1393 in der Moldau bei Prag ertränkte Heilige Johannes Nepomuk wurde zu einem nationalen Symbol. Seine große volkstümliche Popularität im 19. Jahrhundert diente auch nationalen Zwecken.
Weltliche Herrscher wollen mehr Einfluss in der Kirche haben.
Kirchenreformer werden verfolgt
Die Reformation betrifft Kirche und Kirchenorganisation des lateinischen Westens, die orthodoxen Kirchen des Ostens bleiben davon unberührt. Im Spätmittelalter führt das Streben der weltlichen Herrscher, einen größeren Einfluss auf die Kirche ihrer jeweiligen Länder zu erlangen, zu einer Zersplitterung der unter dem Primat des Papstes stehenden Christenheit.

Die Kritik an Geistlichkeit und Papst findet schon in vorreformatorischer Zeit Verbreitung. In Frankreich, England und Böhmen entstehende kirchenreformerische Bewegungen werden von der Kirche als Häresien verfolgt.
"Cuius regio, eius religio".
Luther und Calvin spalten die Kirche
Von der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts an bekommen diese Bestrebungen eine qualitativ neue Dimension – mit Martin Luther, Johannes Calvin und Ulrich Zwingli erfolgt die endgültige Spaltung der Kirche. Sie lässt sich trotz jahrzehntelanger Kriege nicht mehr rückgängig machen.

Die unterschiedlichen Konfessionen sind auch Kristallisationspunkte für Identitäten und werden so zu einem Instrument der Mächtigen: Nach dem Prinzip „cuius regio, eius religio“ – „Wessen Gebiet, dessen Religion“ – trachten sie, konfessionell „reine“ Territorien innerhalb ihres jeweiligen Herrschaftsbereiches zu schaffen.
Ab 1620 Gegenreformation in Böhmen und Mähren.
Die Gegenreformation setzt voll ein
Nachdem Kaiser Ferdinand II. in der Schlacht am Weißen Berg 1620 über den aufständischen Adel siegt, setzt sich die Rekatholisierung in Böhmen und Mähren besonders gewaltsam durch.

Mit der Gegenreformation verhelfen die katholischen Habsburger in ihren Ländern der „allein selig machenden“ katholischen Kirche mit Nachdruck zum Sieg. Immer selbstbewusster versteht sie sich in der Folge als „Ecclesia triumphans“, als triumphierende Kirche.
Jesuiten fördern "Freude am Glauben".
Höchstleistungen in der Barockkunst
Der Sieg des „rechten Glaubens über die Häresie“ findet auch in der Kunst des Barock seinen Ausdruck – in einer überwältigenden Harmonie von Form und Inhalt, einem grandiosen Zusammenspiel von Geistigkeit und schöpferischem Können.

Überhaupt inspiriert die neu erwachte und von den katholischen Reformorden, insbesondere den Jesuiten, geförderte „Freude am Glauben“ das künstlerische Schaffen zu Höchstleistungen.
Nepomuk - Schutzpatron von Böhmen und Bayern, der Priester und Müller.
Nepomuk wird zum Brückenheiligen
Der im Jahr 1393 in der Moldau bei Prag ertränkte Hl. Johannes Nepomuk wird dabei zu einem nationalen und zugleich grenzüberschreitenden Symbol: Sein 1693 auf der Prager Karlsbrücke errichtetes Denkmal macht ihn zu einem der wichtigsten Brückenheiligen. Bis in die Gegenwart bewacht er zahlreiche tschechische wie auch österreichische Brücken.
Hl. Nepomuk, Pfarrkirche St. Ulrich/Hollabrunn (Bild: Erzdiözese Wien)
Heiliger Johannes von Nepomuk, Pfarrkirche Sankt Ulrich in Hollabrunn.
In der Ausstellung zu sehen
Barockstatute des Hl. Johannes von Nepomuk aus der Pfarrkirche St. Ulrich in Hollabrunn, 1750–1780.
Holz, polychrom gefasst.
H. 1700 mm, B. 600 mm, T. 600 mm.
Wien, Referat für kirchliche Kunst- u. Denkmalpflege der Erzdiözese Wien (9724/29).
Karlsbrücke in Prag (Bild: APA/Archiv Czechtourism)
Karlsbrücke in Prag.
Nepomuk wird als Märtyrer verehrt
Der Geistliche Johannes von Pomuk (Nepomuk) wird 1393 im Zuge einer Auseinandersetzung zwischen dem Erzbischof von Prag und König Wenzel IV. auf dessen Befehl hin getötet.

Bald verehrt ihn das Volk als Märtyrer. Im Zuge der Rekatholisierung Böhmens nach 1620 stilisiert man Johannes als eine Art Gegenmärtyrer zu Jan Hus.

Seine Popularität in Böhmen und Niederösterreich im 18. und 19. Jahrhundert zeugt vom Erfolg der Gegenreformation.
Heute ist Nepomuk nicht mehr so populär wie noch vor 200 Jahren.
Hlavacka: "Nepomuk ist nicht Hus"
Milan Hlavacka, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der NÖ Landesausstellung "Österreich. Tschechien.": „Der Heilige Johannes Nepomuk ist heute in Tschechien nicht mehr so populär wie im 18. und 19. Jahrhundert. Er wurde zu keiner nationalen tschechischen Figur wie der 'unheilige' Jan Hus. Aber trotzdem diente seine große volkstümliche Popularität im 19. Jahrhundert auch nationalen Zwecken."
Nepomuk diente auch nationalen Zwecken.
"Aber diese Nepomuken!"
Die regelmäßigen Prager Nepomuk-Feierlichkeiten im Mai wurden zum Beispiel 1868 zur Grundsteinlegung des Nationaltheaters genutzt.

Der Historiker Milan Hlavacka: "Eine katholisch-kirchliche Feier ist dadurch zu einer tschechisch-nationalen geworden. So ist es auch in den geschichtlichen Schulbüchern geblieben. Aber es gilt immer noch Rilkes Betrachtung:
Aber diese Nepomuken!
Von des Torgangs Lucken gucken
und auf allen Brucken spucken
lauter, lauter Nepomuken.“
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