Niederösterreich ORF.at
MI | 11.04.2012
Sujet "25 Jahre Hainburg" (Bild: APA/Popp)
25 JAHRE HAINBURG
Geburtsstunde der Umweltbewegung
Es war die Geburtsstunde der modernen Umweltbewegung: Im Dezember 1984 besetzten Aktivisten die Hainburger Au. Ziviler Ungehorsam verhinderte den Bau eines Kraftwerks. Eine noe.ORF.at-Serie zum Jubiläum.
Grüner Zeitgeist.
Ein Kraftwerk in der unberührten Au
In der Stopfenreuther Au sollte ein Donau-Wasserkraftwerk gebaut werden. Einige Jahre nach der Verhinderung des Atomkraftwerks Zwentendorf stieß das Projekt auf einen aufkommenden grünen Zeitgeist.

Bei einem Sternmarsch von rund 5.000 Umweltschützern in die Hainburger Au formierte sich am 8. Dezember 1984 die Protestbewegung, die das Kraftwerk Hainburg auf zivilem Weg verhindern wollte.

Für die damalige rot-blaue Regierung unter Bundeskanzler Fred Sinowatz (SPÖ) wurde die Auseinandersetzung um die Stopfenreuther Au zu einem Waterloo.
Blick in die Stopfenreuther Au (Bild: APA/Neubauer)
Konrad Lorenz an der Spitze des Personenkomitees.
Widerstand aus allen politischen Lagern
Der Widerstand ging quer durch alle politischen Lager und fand auch bei Künstlern und Schriftstellern breite Unterstützung. Gegen das Kraftwerk opponierten etwa Günther Nenning (SPÖ), Freda-Meissner-Blau (damals SPÖ), Hubert Gorbach (damals FPÖ), Friedensreich Hundertwasser, Peter Turrini und Arik Brauer. Ein überparteiliches Personenkomitee wurde geschaffen, an dessen Spitze der Nobelpreisträger Konrad Lorenz stand.

Den Sprung ins Bewusstsein der Bevölkerung schafften die Opponenten mit einer fantasievoll inszenierten "Pressekonferenz der Tiere" am 7. Mai 1984 im Presseclub Concordia. Nenning war als "roter Auhirsch" verkleidet, der Wiener Stadtrat Jörg Mauthe (ÖVP) als Schwarzstorch, der Chef der FPÖ-Jugend und spätere Vizekanzler Gorbach als Blaukehlchen, Turrini als Rotbauchunke, Othmar Karas (ÖVP) kam als Kormoran.
Pressekonferenz im Mai 1984 (Bild: ORF)
Die "Pressekonferenz der Tiere" im Mai 1984.
Am 10. Dezember rollten erste Bagger.
Fronten blieben hart
Die Fronten zwischen Umweltschützern und Regierung blieben hart. Als der damalige niederösterreichische Umweltlandesrat Ernest Brezovsky (SPÖ) einen Bescheid zugunsten des Kraftwerkbaus erließ, kam es zum Protest. Am 8. Dezember organisierte das "Konrad-Lorenz-Volksbegehren" einen Sternmarsch in die winterliche Au. Einige Aktivisten blieben in der Au.

Im Morgengrauen des 10. Dezember rollten die ersten Bagger. Alle Bescheide waren vorhanden, es sollte gerodet und gebaut werden. Doch Naturschützer und Aktivisten boykottierten den Rodungsversuch. Wieder übernachteten einige in der Au.
Friedensreich Hundertwasser bei der Besetzung (Bild: APA/Kurier/Kluger)
Friedensreich Hundertwasser bei der Besetzung.
Die Parole der Regierung: "Die Au wird geräumt."
Immer mehr Menschen kommen in die Au
Dann gewann der zivile Ungehorsam plötzlich an Eigenbewegung. Obwohl die Regierung die Besetzer inzwischen von der Polizei vertreiben ließ, strömten immer mehr Menschen in die Au. Das Ausmaß der Menschenmassen - zum Schluss waren es mehr als 3.500 Personen - überraschte selbst die Organisatoren, noch mehr die Politiker.

Anfangs ließ sich die Regierung davon nicht beeindrucken. Die Besetzer wurden als "Extremisten" bezeichnet und mit Arrest sowie Geldstrafen bedroht. Am 18. Dezember lautete die Parole unmissverständlich: "Die Au wird geräumt."
"Die Schande von Hainburg".
Gummiknüppel gegen Aktivisten
In den Morgenstunden des 19. Dezember kam es zur Eskalation: Neben der örtlichen Gendarmerie rückten Polizeieinheiten aus Wien in die Au ein. Insgesamt 2.000 Polizisten gingen nun auf teilweise brutale Weise mit Knüppeln und Wasserwerfern gegen die Naturschützer vor, zu rodende Waldgebiete wurden mit Stacheldrahtrollen gesichert.

Aus Protest gegen die brutale Räumung versammelten sich am Abend bis zu 40.000 Menschen aller Lager und Altersschichten auf der Wiener Ringstraße. Schließlich landeten noch Bilder von der brutalen Räumungsaktion in den Tageszeitungen. Die "Kronen Zeitung" titelte auf Seite eins mit der Schlagzeile "Die Schande von Hainburg", die Bildberichte schockierten die ganze Nation.
Räumung der Au am 19. Dezember 1984 (Bild: ORF)
Szenen der Räumung am 19. Dezember 1984.
Heute ist das Gebiet Nationalpark.
1985 war das Kraftwerk gestorben
Die Bundesregierung zog daraufhin die Notbremse. Die Polizei wurde zurückbeordert, die Rodungen gestoppt. Drei Tage vor Weihnachten verkündete der damalige Bundeskanzler Sinowatz den "Weihnachtsfrieden" von Hainburg.

Im Jänner 1985 war das Kraftwerksprojekt endgültig gestorben. Der Verwaltungsgerichtshof hob infolge einer Beschwerde der Umweltschützer den Wasserrechtsbescheid für das Kraftwerk auf, womit der Bau die rechtliche Grundlage verlor. 1997 wurde das Gebiet in den Nationalpark Donau-Auen eingegliedert.
Ganz Österreich
Niederösterreich News

 
TV-Programm TV-Thek Radio Österreich Wetter Sport IPTV News