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MI | 11.04.2012
Unterolberndorfer feiern gemeinsam mit Freunden aus Uganda (Bild: Hermann Richter)
POLITIK
Unterolberndorf feiert "Uganda-Revolution"
Vor 25 Jahren war die Weinviertler Gemeinde Unterolberndorf die Bühne für internationale Politik. Im dortigen Wirtshaus plante der Widerstand Ugandas den Sturz der Diktatur. Nun gedenkt der Ort dieses ungewöhnlichen Ereignisses.
Flucht vor Idi Amin.
Verfassung in Wirtshaus beschlossen
Im Juni 1985 wurde im Grünen Jäger Ugandas Staatsgeschichte maßgeblich umgeschrieben. Denn in dem Lokal wurde von Ugandas jetzigem Präsidenten Yoweri Museveni und seiner damaligen Exilregierung die Verfassung des demokratischen Uganda beschlossen. Museveni hatte sich nach der Flucht vor General Idi Amin Dada, der Präsident Milton Obote 1971 stürzte, dem bewaffneten Widerstand angeschlossen.

Die Wahl nach Amins Sturz 1979 endete mit einem Wahlbetrug der Obote-Partei, Museveni ging gegen seinen früheren Chef in den Untergrund. Im Jänner 1986 übernahm die Widerstandsbewegung NRM die Macht im Lande, Museveni wurde Präsident Ugandas und wurde 2006 zum vierten Mal wiedergewählt.
Abgelegener Ort für "konspiratives Treffen"
Ausfindig gemacht hatte den kleinen Ort, der sich damals vortrefflich für ein "konspiratives Treffen" zu eignen schien, ein ugandischer Student und Zeitungskolporteur. Speziell das Gasthaus galt als abgelegen genug - und war außerdem bekannt für seine preisgünstigen Menüs.

Im Juni 1985 quartierten sich also Museveni und seine Getreuen für einige Tage in der Pension ein, die von der Mutter der heutigen Wirtin geführt wurde. Möglichst unauffällig kamen sie einzeln angereist. Die führenden Köpfe des ugandischen Widerstands deckten sich beim nahe gelegenen Greißler mit Getränken ein, dafür wuschen sie im Wirtshaus selbst die Gläser ab.
Unterolberndorfer feiern gemeinsam mit Freunden aus Uganda (Bild: Hermann Richter) Enthüllung von Denkmal
Der Kontakt zwischen Uganda und Unterolberndorf ist seitdem nie abgerissen – gepflegt vom örtlichen Uganda-Verein, der immer wieder Spenden für Sozialprojekte in dem afrikanischen Land sammelt. Anlass genug, die Ereignisse von 1985 am Wochenende mit einem zweitägigen Festprogramm zu begehen.

Höhepunkt ist Sonntagvormittag die Enthüllung eines Denkmals auf dem Dorfhauptplatz, umrahmt von einem Musikprogramm mit ugandischen Künstlern und einem anschließenden Mittagessen mit der ugandischen Community im Grünen Jäger.

Im Zimmer, in dem Präsident Museveni 1985 wohnte, werden Bilder aus der gemeinsamen Geschichte Ugandas und Unterolberndorfs ausgestellt. Den Auftakt macht am Vorabend ein Diavortrag über Uganda und dessen Nationalparks.
Unterolberndorfer feiern gemeinsam mit Freunden aus Uganda (Bild: Hermann Richter)
Unterolberndorf pflegt seit vielen Jahren gute Beziehungen zu Uganda. Die Fotos sind bei Feierlichkeiten in den 1980er Jahren entstanden.
Museveni-Besuch gescheitert
Ein Staatsbesuch Musevenis angesichts der Jubiläums war vonseiten Ugandas in Aussicht gestellt worden, kam aber - nicht zuletzt wegen der Präsidentschaftswahl im April - nicht zustande. Zum zehnjährigen Jubiläum des "Unterolberndorfer Manifests" war Museveni zu einem Staatsbesuch nach Österreich gekommen und war in Unterolberndorf feierlich empfangen worden.

Unter Vermittlung des damaligen Präsidenten Thomas Klestil war es auch zu einem Geheimtreffen mit dem sudanesischen Präsidenten Omar al-Baschir auf Klestils Sommersitz in Mürzsteg gekommen. Wegen jeweils von der anderen Seite unterstützter Rebellengruppen im gemeinsamen Grenzgebiet und Hunderttausender Flüchtlinge sind die Beziehungen seit Jahrzehnten extrem angespannt.
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