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MI | 11.04.2012
Mammografie (Bild: ORF)
GESUNDHEIT
Radiologen befürchten mehr Brustkrebs-Tote
Zwischen Radiologen und dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger gibt es einen Streit wegen des geplanten Mammografie-Programms. Die Radiologen befürchten in Zukunft mehr Todesfälle durch Brustkrebs.
Bei Frauen ist Brustkrebs mit einem Anteil von 28 Prozent die häufigste Tumorart.
1.500 Frauen sterben jährlich an Brustkrebs
Derzeit gibt es in Österreich pro Jahr etwa 4.500 Neudiagnosen auf ein Mammakarzinom.

Jährlich sterben an der Erkrankung, die bei Früherkennung zu einem sehr hohen Prozentsatz heilbar ist, circa 1.500 Frauen.
Worüber wird diskutiert?
Noch in diesem Jahr soll in Österreich der Start für ein bundesweites Mammografie-Programm für Frauen zwischen 50 und 70 Jahren mit schriftlicher Einladung und Wiederbestellung erfolgen. Bisher gab es kein solches Einladungsprogramm. Die Untersuchungen sollen auf 20 Zentren konzentriert werden.

Was es nicht mehr geben soll: Die in Österreich bisher zur Routine gehörige zusätzliche Ultraschalluntersuchung der Brust (gemeinsam mit Tastbefund eine "Triple-Diagnostik").
Ärztekammer hofft, dass mehr Frauen eine Mammografie durchführen lassen.
Frühwald rechnet mit 600 Todesfällen mehr
"Wenn in Österreich eine Umstellung auf das deutsche System kommt, werden wir bei gleich hoher Beteiligung der Frauen wie bisher um 600 Todesfälle durch Brustkrebs mehr haben. Wir müssten die Beteiligung auf 70 Prozent erhöhen, um gleich auszusteigen wie jetzt", sagt Franz Frühwald, Vorsitzender der Bundesfachgruppe Radiologie in der Österreichischen Ärztekammer, der in Sankt Pölten als Radiologe tätig ist.

"Wenn wir das österreichische System beibehalten und die Beteiligung von jetzt 50 auf 70 Prozent erhöhen, wäre mit rund 600 Todesfällen weniger zu rechnen", erklärte Frühwald.
Mammografie (Bild: dpa/Wolfgang Thieme)
Frauen zwischen 50 und 69 Jahren gehören zur Risikogruppe.
Eine der niedrigsten Mortalitätsraten europaweit.
Jede zweite Frau lässt sich untersuchen
Frühwald und seine Fachkollegen haben die Brustkrebs-Mortalitätsrate in Österreich (16,7 Todesopfer pro 100.000 Frauen und Jahr, eine der besten Europas) und die 50-prozentige Beteiligung der Frauen an der Früherkennung mit dem deutschen Programm (70 Prozent Beteiligung) verglichen.

Beide Länder haben annähernd gleiche Mortalitätsraten durch Brustkrebs.
Franz Frühwald (Bild: Institut Frühwald-Steiner-Obermayer)
Franz Frühwald, Bundesfachgruppe Radiologie/Ärztekammer.
Frühwald: "Situation soll verbessert werden"
Frühwald erklärt seinen Standpunkt: "Wir wollen die Situation verbessern und nicht verschlechtern. Bei für das Röntgen sehr dichtem Brustgewebe benötigen wir den Ultraschall. Die österreichischen Radiologen sind nicht bereit, die Hälfte der Karzinome bei dichtem Brustgewebe zu übersehen. Wir können das nicht mitverantworten."

Der St. Pöltener Radiologe und Ärztekammer-Funktionär ist auch der Ansicht, dass es nicht sein könne, dass "die Frauen nur schriftlich, auch von einem verdächtigen Befund, benachrichtigt werden. Wir wollen nicht das EU-Minimalprogramm für Österreich, sondern das bestmögliche."

Die Reduzierung der Untersuchungsstellen von rund 250 Radiologen-Ordinationen auf nur 20 Stellen würde weiters den Frauen unzumutbare Wege aufbürden.
Hauptverband der Sozialversicherungsträger möchte Qualitätsverbesserung.
Begutachtung durch zwei Radiologen geplant
Beim Hauptverband der Sozialversicherungsträger wurde diese Ansicht vehement bestritten, meldete die APA. "Wir wollen eine Qualitätsverbesserung. Jede Mammografie-Aufnahme im Rahmen des Programms soll von zwei Radiologen begutachtet werden. Wenn dann heraus kommt, dass ein Ultraschall notwendig ist, soll das gemacht werden. Aber es soll keine Ultraschalluntersuchung vorweg geben", wird der Hauptverband von der APA zitiert.

Wenn ein Arzt aber "zum Beispiel nach einem verdächtigen Tastbefund die Patientin zu einem Ultraschall überweist, ist das natürlich eine Kassenleistung", so der Hauptverband der Sozialversicherungsträger.
Brustkrebs, PET-MR (Bild: Universitätsklinik für Radiodiagnostik, Medizinische Universität Wien)
Die molekulare Bildgebung beim PET-MR zeigt einen hoch aggressiven Brustkrebs.
Die Sterblichkeit an Brustkrebs ging in den letzten zehn Jahren um 23 Prozent zurück.
Risikogruppe: Frauen zwischen 50 und 69
Im Jahr 2009 starben 1.594 Frauen an einem Mammakarzinom. Knapp ein Drittel (510 Patientinnen) davon gehörte laut Statistik Austria der Gruppe der 50- bis 69-Jährigen an.

4.570 Neuerkrankungen wurden in der weiblichen Bevölkerung 2008 diagnostiziert. Hier betraf die Risikogruppe (50 bis 69 Jahre) beinahe die Hälfte (2.045).
Kostenlose Behandlung für Menschen ohne E-Card am 10. Februar.
Erstmals: Europäischer Röntgentag
Am 10. Februar 2011 findet der "First European Day of Radiology" statt, eine Initiative der Europäischen Gesellschaft für Radiologie, welche die Leistungen und Errungenschaften der Radiologie der Öffentlichkeit in 19 europäischen Ländern näher bringen soll.

In Österreich wird der 1. Europäische Röntgentag von der Österreichischen Röntgengesellschaft (ÖRG) veranstaltet. Menschen ohne Krankenversicherung werden an diesem Tag in 45 radiologischen Praxen in Österreich kostenlos behandelt.
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