Niederösterreich ORF.at
MI | 11.04.2012
Goldmann Druck AG (Bild: www.goldmanndruck.com)
WIRTSCHAFT
Großdruckerei Goldmann insolvent
Die Tullner Großdruckerei Goldmann ist insolvent. Das Unternehmen beantragte am Montag beim Landesgericht St. Pölten ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung. Die rein rechnerische Überschuldung beträgt 44,5 Millionen Euro.
178 Dienstnehmer arbeiten in dem Betrieb.
44,5 Millionen Euro Überschuldung
Mit 21 Millionen Euro Aktiva und 65,5 Millionen Euro Passiva beträgt die Überschuldung des Unternehmens rein rechnerisch 44,5 Millionen Euro. Es handelt sich dabei um die bisher zweitgrößte Insolvenz des Jahres in Österreich und um die größte in Niederösterreich, so der Kreditschutzverband.

Goldmann hatte bis vor einigen Jahren die Tageszeitungen "Der Standard" und "Österreich" gedruckt, kämpft aber seit 2007 mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten - ausgelöst durch einen Preiskampf in der Branche.

Seither wurde die Beschäftigtenzahl halbiert, aktuell arbeiten 178 Dienstnehmer in dem Betrieb.
Akten (Bild: Fotolia/Kaarsten) Etwa 190 Gläubiger von Insolvenz betroffen
Etwa 190 Gläubiger dürften von der Insolvenz betroffen sein. Ihnen wird vom Unternehmen eine 20-prozentige Quote angeboten, was der KSV als "erfreulich" bezeichnete.

Man werde aber "kritisch prüfen, zu welchen Bedingungen den Gläubigern die Zustimmung zu einer Entschuldung empfohlen werden kann".

Bereits in der zweiten Junihälfte war die Belegschaft über die bevorstehende Insolvenz informiert worden. Der Lohn für den Juni könne voraussichtlich nicht mehr bezahlt werden, hatte es damals geheißen.
Walter Anzböck zum Masseverwalter bestellt.
Landesgericht hat Antrag stattgegeben
Das Landesgericht St. Pölten hat dem Antrag auf Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung für die Großdruckerei Goldmann noch am Montag stattgegeben.

Als Masseverwalter wurde der Tullner Rechtsanwalt Walter Anzböck bestellt, der auch im Fall der Insolvenz des wegen des Amstettener Inzestfalls zu lebenslanger Haft verurteilten Josef F. zuständig ist.

Gläubiger können ihre Forderungen bis 16. August anmelden, so der KSV1870 und Creditreform. Anfang Oktober soll über den Sanierungsplan abgestimmt werden.
Betrieb: Ziel sei, neuen Eigentümer zu finden
Die Geschäftstätigkeit Goldmanns sei durch das Sanierungsverfahren nicht beeinträchtigt, betonte der Betrieb. Die Finanzierung für den Fortbetrieb sei gegeben. Ziel sei, im Rahmen des Verfahrens einen neuen Eigentümer zu finden.

Die Tochtergesellschaften der Goldmann Druck AG sowie die Standorte in Ungarn und Tschechien seien nicht von dem Verfahren betroffen. Auch die Media Druck GmbH, bei der die Tageszeitung "Österreich" gedruckt wird und an der die Firma mit 20 Prozent beteiligt ist, sei nicht involviert.
Land nahm Verhandlungen mit AMS auf
Die für den Arbeitsmarkt zuständige ÖVP-Landesrätin Barbara Schwarz hat bereits Gespräche mit dem AMS Niederösterreich aufgenommen.

Vertreter des AMS und des Landes werden über Lösungsmöglichkeiten für die betroffenen Arbeitnehmer verhandeln.
AKNÖ: Wettbewerb fordere weiteres Opfer
Der Preiswettbewerb in der Druckerbranche habe laut dem AKNÖ-Präsidenten Hermann Haneder ein weiteres Opfer gefordert.

Nun müsse man zuerst dafür sorgen, dass die Mitarbeiter die ausstehenden Löhne und Gehälter erhalten, so Haneder weiter.
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